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Die Damen

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Wand eingelassene Spiegel, an deren Seiten auf lackierten oder ver— 
goldeten Saͤulen die Lichter gesetzt wurden. Außerdem hingen noch 
mehrere Messingleuchter mit blankgeputzten Ruͤckenschildern an den 
Waͤnden, oder ein Kronleuchter strahlte von der Decke sein Licht aus. 
Tische und Vorsetzer mit Tappisseriearbeiten, Fauteuils, Taburetts, Kanapee 
— alles mit Tapisserie uͤberzogen, standen an den Waͤnden, und ein Fluͤgel 
fehlte nur selten in der Putzstube. Ebensowenig eine Kommode mit bronzenen 
Griffen und Beschlaͤgen, auf der allerlei Porzellanfiguren und Aufsaͤtze 
standen. Auch Lackwaren fehlten nirgends. Und wenn gar kostbare Stuͤcke 
vorhanden waren, hatte man schon eine besondere Ecke oder einen Glas— 
schrank, in dem sie nicht beschaͤdigt werden konnten. Die Waͤnde waren nicht 
nur mit Gobelinwebereien geschmuͤckt. Bilder von allen moͤglichen alten 
Meistern — unter denen gewiß viele Kopien sich befanden, — waren damals 
wohlfeil zu haben. An Schmuck und Luxus fehlte es also nicht in solchen vor— 
nehmen Haͤusern — wohl aber an einer Bequemlichkeit, deren Nichtvorhanden— 
sein selbst in kleineren buͤrgerlichen Wohnungen uns ganz unglaublich er— 
scheinen wuͤrde: ein Bad wird in keiner Wohnung erwaͤhnt. Das war ein 
Ding, das uͤber jeden Luxus hinausging. Und doch hatte Berlin auch seine 
Badestuben gehabt, in die Mann und Weib, Greis und Kind in mittelalter— 
licher Naivitaͤt, so wie sie Gott geschaffen, uͤber die Straßen gegangen waren — 
ganz so wie in anderen deutschen Staͤdten. Die Ausbreitung der von den 
unterdruͤckten Einwohnern Amerikas ihren Entdeckern uͤbermittelten Syphilis, 
die verheerenden Kriege und die groͤßere Lebensfeindlichkeit und Borniertheit 
der Pfaffen zerstoͤrten aber jede Unbefangenheit. Die Angst vor Ansteckung 
gab den eifernden Worten der Kanzelredner den noͤtigen Nachdruck. Und 
so wußte man nach dem dreißigjaͤhrigen Kriege nichts von munterer Unschuld 
und gesunder Froͤhlichkeit. Nacktheit war eine schreckliche Suͤnde. Eine 
fromme Frau durfte ihren eigenen Koͤrper nicht ansehen. Was sollte man in 
einer solchen Zeit mit einem Bad! 
Große Sorgfalt aber wurde auf die Betten verwandt. Wer nur ein 
wenig auf sich hielt, kaufte seiner Frau ein Himmelbett mit Samt- oder 
Seidenvorhaͤngen. Fauteuils und Lehnstuͤhle standen um das kostbare Lager 
und zeugten von der Gewohnheit jener Zeit, in der die Damen haͤufig Besuch 
empfingen, waͤhrend sie im Bett ruhten oder gar bei der Toilette waren. Die 
sinnlich-feminine Kultur hatte trotz der Strenge des Soldatenkoͤnigs ihre Wege 
oon Paris nach Berlin zu finden gewußt. Die wirklich reichen Klassen lebten 
auch damals schon in ganz Europa auf gleichem Fuß, mochte das nun in 
Paris, Wien oder Berlin sein. Die Beruͤhrungen zwischen den vermoͤgenden 
Schichten aller europaͤischen Laͤnder waren auch damals schon haͤufig genug — 
durch Reisen, Gesandtschaften, Heiraten — um eine gewisse gleichartige
	        
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