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Von Bürgern und Kindern

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Blumen und vom 
Beackern der 
Scholle, vom 
Saͤen und Ernten 
wissen sie nichts 
aus eigener An— 
schauung. Und 
was nicht aus 
eigener Anschau— 
ung oder in voller 
Taͤtigkeit er⸗ 
worben ist, das 
ist ein toͤnernes 
Wissen, dem 
fehlt der Inhalt. 
Doch daran 
wird wenig zu 
aͤndern sein. Die 
großen wirtschaft⸗ 
lichen Umwaͤlz⸗ 
ungen und Um— 
bildungen, die 
unser Volk durch— 
zumachen hat, 
bringen eben 
schwere Schaͤden 
mit sich. Die Be— 
ooͤlkerung ist nun 
einmal von dem 
Zug in die Industrie und in die Großstadt ergriffen worden. Sie befindet sich im 
Stadium einer Voͤlkerwanderung, wie sie die Menschheit noch in keiner Epoche 
erlebt hat. Sie loͤst sich los von ihrer alten Scholle und schafft sich eine ganz 
und gar neue Heimat in den Großstaͤdten. So muͤssen denn die Familien 
auch sehen, wie sie ihre Kinder in den Lebensverhaͤltnissen der neuen Heimat 
großziehen. Am schlimmsten und erbarmungswuͤrdigsten geht es nun natuͤr— 
lich den Kindern der groͤßten Großstadt von Deutschland, den Kindern in 
Berlin — dieser Stadt, die mit ihren Vororten zusammen ungefaͤhr drei 
Millionen Menschen beherbergt. Manche der Vororte haben ja noch einen 
nicht zu weltstaͤdtischen Charakter, sie bieten also den Kindern wenigstens 
Luft, Sonne, Erde und Gruͤn. Aber gerade die kopfreichsten groͤßten Vor—
	        
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