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Von Bürgern und Kindern

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Aber sie waren so kostspielig, daß sie nur 
oon ganz Vornehmen erworben werden 
konnten. 
Aber eines hat sich wohl ein wenig 
geaͤndert. Die Kinder nahmen ihre Ge— 
schenke mit groͤßerer Ehrfurcht und Dank— 
barkeit entgegen aus der Eltern Hand, 
als heute. Jedenfalls wurde mehr Ehr— 
furcht und Dankbarkeit von ihnen verlangt 
als jetzt, wo es oft schon das Gluͤck der Eltern 
bedeutet, ihr Kind gluͤcklich zu sehen. 
Nun hatten ja allerdings die Kinder 
des 18. Jahrhunderts eine schwere Plage 
noch nicht durchzumachen. Schulen gab 
es nur wenige. Vor allem gab es keine 
Maͤdchenschulen von Wert. In dem sonst so gut organisierten Berlin 
waren die Maͤdchenschulen den Kirchendienern und allerlei anderem 
Volk uͤberlassen. Den Maͤdchen wurde wenig mehr als Stricken und Naͤhen 
beigebracht. Nur in einigen vom Koͤnig eingerichteten Schulen und in denen 
der franzoͤsischen Kolonie wurde außer Religion, Lesen, Schreiben, 
Rechnen und weibliche Handarbeiten gelehrt. Nur in gang wenigen Faͤllen 
vurden fleißige Maͤdchen belohnt mit den Anfangsgruͤnden der Geographie 
und Geschichte. 
Große Gelehrsamkeit wurde also den „jungen Frauenzimmern“ nicht 
beigebracht. Mit vielen Schulaufgaben wurden sie nicht gequaͤlt. Aber trotz- 
dem durften sie ihre Kindheit nicht verspielen. Jede ordentliche Mutter hielt 
ihr Kind fruͤhzeitig an, sich in haͤuslichen Arbeiten zu uͤben. Die einen mußten 
Garn wickeln, die andern mußten genau Obacht geben, wie gesponnen wird. 
Und so mußten sie zeitig sich einarbeiten, um einst eine gute Wirtschafterin zu 
werden. Und das wurden sie denn auch. Die Frauen unserer Urvaͤter sind 
ledenfalls tuͤchtige und praktische Menschen gewesen, die fuͤr alles Sinnfaͤllige 
ein gutes Verstaͤndnis und in haͤuslichen Dingen eine geschickte Hand hatten. 
Die Wohlhabenderen und Vornehmeren ließen ihre Kinder von 
Gouvernanten und Privatlehrern unterrichten. Bessere Schulen existierten 
ja uͤberhaupt nicht fuͤr Maͤdchen. Um 1740 unterrichteten z. B. ein betagter 
Einwohner, eine alte Frau und ein Unteroffizier ganz unregelmaͤßig und duͤrftig 
die Kinder beiderlei Geschlechts des Sprengels der Berliner Dreifaltigkeits— 
kirche. Mit großer Muͤhe schuf ein Schuͤler August Hermann Franckes eine 
bessere Schule, aus der sich dann spaͤter die Koͤnigliche Realschule in der Koch— 
straße mit der Elisabethschule entwickelte. Bis 1827 waren beide Anstalten
	        
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