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Von Bürgern und Kindern

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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in Tausend und aber Tausend von schimmernden Frauenaugen. Vor den 
Schaufenstern des Messelbaues am Leipziger Platz draͤngen sich die Damen, 
um die neuesten Moden in den kostbar ausgestatteten Schaufenstern zu be— 
wundern. Aus den Teppichsaͤlen fließt das Licht weihevoll gedaͤmpft wie aus 
einem Dom. Aber nicht nur hier wird dem neuen Gotte — Umsatz — 
solch ein feierliches Lichtopfer gebracht. UÜber die ganze Stadt sind die Waren— 
haͤuser gestreut, die vornehm, uͤppig oder marktschreierisch dastehen, die aber 
alle ihren festlichen Glanz in die nuͤchternen Großstadtstraßen hinausfluten 
lassen. Doch nicht nur diese großen Kaufhaͤuser erhellen die Stadt. Aus 
oielen Tausenden von Schaufenstern stroͤmt Licht und Farbe und Glanz. 
Wie unabsehbare Galerien einer Riesenausstellung begleitet den Spazier— 
gaͤnger eine ununterbrochene Reihe von großen Spiegelscheiben, hinter denen 
Luxus, Mode und Geschmack ihre lockenden Werbemittel ausgelegt haben. 
Es gibt Frauen, die dem Rausch eines taͤglichen Bummels durch die Straßen 
und durch die Warenhaͤuser verfallen sind, deren wichtigste Stunden vor den 
Schaufenstern oder in den gleißenden Hallen der Warenhaͤuser verbracht 
werden. Im Winter be— 
suchen diese Damen auch die 
Hoteltees. Aus den stillen 
Zimmern der Privatwoh— 
nungen, wo es ein persoͤn— 
liches Verhaͤltnis zwischen 
Wirt und Gast, Gast und 
Gaͤsten gab, ist der Tee in 
das blendende Licht der 
Hotelhallen getreten. Diese 
„Geselligkeit mit Hut“, vom 
Oberkellner geleitet und 
ohne die geringste persoͤnliche 
Verbindung zwischen all den 
Gruppen an den kleinen 
Tischen bietet zwar ein neues 
malerisches Bild, aber es ist 
in den Hotels alles zu glanz— 
voll und laͤrmvoll, um feinere 
Geistigkeit auszuloͤsen. Dem 
Publikum wird es leicht ge— 
macht, es wird unterhalten. 
So wird es entwoͤhnt, sich 
selbst zu aͤußern. Aber in 
Hosemann 1844: Liebeserklärung.
	        
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