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Von Bürgern und Kindern

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Abend an der naͤchsten 
Ecke warten. — Frische, 
helle Blusen, die alle die 
Buchhalterinnen, Einrich— 
terinnen und Packerinnen, 
Naͤherinnen und Probier— 
mamsells mittags ange— 
zogen haben, und die leuch— 
tenden Augen sagen, daß 
etzt erst das Leben beginnt. 
Alle die billig aber reizend 
gekleideten Maͤdchen sehen 
fast stets ohne Neid dem in 
Pelz und Seide davonrau— 
schenden „Gelbstern“ nach. 
Ihrer gibt es weniger, als 
man glaubt. * 
Jene Probiermamsell, 
die schick und flott erst um 
zehn oder elf Uhr ins Ge— 
schaͤft kommt, die eleganter 
als die Kundinnen des 
Geschaͤftes gekleidet ist und 
jeden Abend zu einem 
anderen Souper geladen 
wird, existiert fast nur in 
der Phantasie der Couplet— 
dichter. Damen, die nur 
zum Anprobieren der Maͤn— 
tel und Kostuͤme im Ge— 
schaͤft angestellt werden, 
gibt's beinahe uͤberhaupt 
nicht. Gewoͤhnlich muß 
eine mehr oder weniger 
huͤbsche Verkaͤuferin oder 
Naͤherin die Probiermam— 
sell spielen und mit Eleganz 
der Kaͤuferin die Neubeiten der Mode vorfuͤhren. Zwar sind solche leicht— 
fertigen Flittchen, wie der Berliner gewisse Maͤdchen nennt, ja auch unter 
denen zu finden. Aber nicht alle sind so ...
	        
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