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Von Bürgern und Kindern

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Hans Baluschek: Müll-Idyll um 1900 
Ernst Dronke behauptete 1846: „Berlin zaͤhlt unter anderen 10 000 
prostituierte Frauenzimmer, 12 000 Verbrecher, 12000 latitierende Per— 
— 
ihr Auskommen nicht finden), 6000 Almosenempfaͤnger, 6000 arme Kranke, 
324000 Bettler, 2000 Bewohner der Zuchthaͤuser und Strafanstalten, 
1000 Bewohner des Arbeitshauses, 700 Bewohner der Stadtvogtei, 2000 un⸗ 
eheliche Kinder, 2000 Pflegekinder, 1500 Waisenkinder; das ist nahezu der 
hierte Teil der Einwohner der ganzen Hauptstadt.“ 
In einer solchen Bevoͤlkerung, die unter den denkbar schlechtesten Be— 
dingungen lebte und sich fast nur von Kartoffeln und Kaffeewasser naͤhrte, 
mußten Gaͤrungsstoffe entstehen. Als im Winter 1847 die Bauern und 
Hoͤker die Kartoffelpreise aufschlugen, da riß den Arbeiterfrauen die Geduld. 
Auf dem Markt am Rosentaler Tor war es eine Frau, die laut Streckfuß 
das Signal zum Aufstand gab. 
Mit einem scharfen Messer schnitt sie einen der zum Verkauf aus— 
gestellten Kartoffelsaͤcke auf, die Kartoffeln rollten auf den Boden und sofort 
warf sich jubelnd und schreiend die Menge uͤber die Knollen. Jeder suchte 
zusammenzuraffen, was er finden konnte, niemand dachte mehr ans Bezahlen. 
Die Verkaͤufer schimpften und tobten, sie versuchten ihr Eigentum zu retten, 
aber sie wurden zuruͤckgestoßen und mißhandelt.
	        
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