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Kleinbürgertum und Proletariat

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Weindauer: Bettelweiber. 1830. 
des langen Wartens ungeduldig wurden, mit den Vorbeigehenden ihre Spaͤße 
zu treiben. Ein beliebter Ausruf dieser Kremserkutscher war: „Herr Baron, 
fahren Sie mit; es fehlt bloß noch eene lumpigte Person!“ S. 89. 
Ein anderes Blatt zeigt einen gefallenen Droschkengaul, der trotz aller 
Hilfe nicht wieder aufstehen will. „Des Luder is tuͤck'sch!“ sagt der Kutscher 
oon dem elenden Tier. Die Berliner Droschkenpferde waren eben selbst in 
den behaͤbigen Biedermeiertagen nicht wegen allzu großer Schnelligkeit 
beruͤhmt. Glaßbrenner berichtet das folgende Geschichtchen, das zum min— 
desten huͤbsch erfunden ist: 
Einem „Droschkisten“ passierte ein merkwuͤrdiges Schicksal: sein Pferd 
ging naͤmlich durch. Ohne den Zuͤgel anzuziehen, saß er erstaunt da. Die 
Dame aber, welche sich in der Droschke befand, wurde aͤngstlich und schrie: 
„Um Gottes willen, lassen Sie mich heraus!“ — „Bleiben Se ruhig sitzen,“ 
entgegnete der Phlegmatische, „ick kenne mein Pferd besser, det is nischt als 
Verstellung.“ 
Nein, die Berliner Kutscher befleißigten sich von jeher keiner allzu 
großen Liebenswuͤrdigkeit. Ihr derbes, ungalantes Wesen entsprang aller— 
dings weniger einer boshaften Absicht als vielmehr einer gewissen Ungelenkig— 
keit und Beschraͤnktheit. Holt da ein Kutscher eine junge Dame von 
der Oper ab. Es regnet, und große Pfuͤtzen bedecken das recht fragwuͤrdige 
dormaͤrzliche Berliner Pflaster. „Kommen Sie man, Fraͤuleinken,“ 
sagt der Kutscher zu der zierlich beschuhten jungen Dame, „ick habe 
Stiebeln an!“ S. 128.
	        
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