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Kleinbürgertum und Proletariat

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Klatsch am Brunnen um 1850 
getretenen Stiefeln das „juͤngste Kind der Laune“ des vielgeplagten Akten— 
mannes, in der linken eine in Papier gewickelte Butterstulle tragend, die zur 
Ersparung der Kosten im Schulgarten fuͤr den Magen des blondhaarigen, 
schafsmienigen Fritze bestimmt war, von welcher aber der gierige Juͤngling, 
schon ehe das Tor erreicht ist, die gut gesalzene Butter — „4 Iroschen das 
Pfund“ — abgeleckt hat. — Zwischen diesen verschiedenen Sorten „Berliner 
Menschheit“ bewegt sich das elegante Voͤlkchen der Auskultatoren und Re— 
ferendarien. Im Jahre 1826 erkannte man sie vornehmlich an bunten seidenen 
Freischuͤtzwesten, ungeheuren steifen Vatermoͤrdern und an braunen, groß— 
koͤpfigen Fischbeinhuͤten, sowie an der ungenierten Art und Weise, mit der 
sie in die geoͤffneten Fenster des hohen Paterres hineinstierten, an welchen 
hinter Hortensien und Balsaminen — Gummibaͤume und Epheu waren 
dazumal noch nicht Mode — zarte Banquiers- und Rentierstoͤchter zu sitzen 
pflegten. — Waͤhrend dies Getriebe die Leipziger Straße auf den Trottoirs — 
damals aus kleinen, stiefelfeindlichen und schusterfreundlichen Steinen be— 
stehend — belebt, wackeln mitten in der Straße, gehuͤllt in Staub, mehrere 
noch in der Entwickelungsperiode begriffene Droschken, wiegen sich Herrschafts—
	        
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