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Die Halbwelt

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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eine theoretische Unterrichtsstunde. Nach einigen Monaten Lehrzeit werden 
die jungen Maͤdchen als Stuͤtze gegen moͤglichst hohen Lohn vermietet — sie, 
die noch gar nichts selbstaͤndig machen koͤnnen! Schon am dritten Tage merkt 
die Hausfrau, daß sie keine Stuͤtze bekommen hat, sondern ein gaͤnzlich un— 
wissendes, unpraktisches, aͤngstliches und durchaus nicht bestimmungsfaͤhiges 
Lehrmaͤdchen, das mindestens ein Jahr lang erst in einem besseren Haushalt 
taͤtig sein muß, um uͤberhaupt nutzen zu koͤnnen. Die Hausfrau hat anstatt 
einer Stuͤtze, die ihr die Last des Hausbetriebes abnehmen soll, eine neue 
Last hinzubekommen. Und die Eltern bekommen bald ihre Tochter zuruͤck, 
von der sie glaubten, sie werde bald einen großen Jahreslohn erhalten. Die 
Schule war doch so teuer! Auch im Dienstbotenbetrieb erwartet man heute 
alles von den „Akademien“. Aber die Haushaltungskunst will allein in der 
Praxis erobert werden — genau wie die bildende Kunst. 
Und allein in der Wirklichkeit liegt die Wahrheit. Nicht in der Theorie. 
Und in der Wirklichkeit werden manche Hausfrauen in Berlin mit ihrem 
Personal mehr zufrieden sein, als sie wahr haben wollen. 
Codowiecki: Hausierende 
im 18. Zahrhundert 
Bauersfrau
	        
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