Path:
Die Dienstboten

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

271 
war bei de Italiener, kommt spaͤte noch ein Brief von des Maͤchen ihren 
Dicken, mit ne wartende Antwort druff. Ick denke, de Minna wird wohl 
vorn sind, un mal wieder in Madam ihren Naͤhtisch kramen, un jehe vor, — 
aber keene Minna! Ick jehe immer weiter, durch 5256 Stuben, noch immer 
keene Minna — endlich klinke ick in alle Unschuld de Schlafstube von'n Herrn 
uff, un wat sehe ick? 
Frau Schnudrich: Nanu, wat denn? 
Frau Muͤller: De Minne und den Kommerzienrat, — aber wie?! — 
Ick also janz perplex, stelle mir roth, sage bloß: „Ach so!“ un jehe ruͤcklings 
aus de Stube. 
Frau Schnudrich: Nu war se jeliefert. 
Frau Muͤller: Un des richtig. Kaum bin ick in de Kuͤche zuruͤck, kommt 
se mir nachjestuͤrzt, fliegt mir an den Hals,— beste Muͤllern hinten un beste 
Muͤllern vorne — draͤngelt mir eenen Fuͤnfundzwanzig Talerschein von'n 
Herrn uff, aber keen Sterbenswort an ihren Dicken verrathen, det mußte ick 
hr zuschwoͤren. 
Frau Schnudrich: Na, und Sie 
schworen? 
Frau Muͤller: Jewiß, der Schein 
stimmte mir barmherzig! Denn hier war 
der Schein nich jejen ihr — sondern fuͤr 
nir! Seit diese Zeit is de pure Herzlichkeit 
zwischen ihr un mir un den Kommerzien— 
cat, un meine Dochter kann sich nich 
oeklagen. 
Frau Schnudrich: Der Witz is richtig. 
WWoaͤhrend der Unterhaltung sind die 
ihnen anvertrauten Kinder ohne Aufsicht 
herumgelaufen; ein kleines Maͤdchen 
gleitet auf den regennassen Steinen aus, 
collt mehrere Stufen der Treppe herab 
und schlaͤgt sich die Stirn blutig.) 
Frau Schnudrich (sieht es): Herrjes, 
Muͤllern, Ihr Kleenstes! 
Frau Muͤllern: holt das lautschrei— 
ende Kind herbei, bindet ihm ein Taschen— 
3 um die Stirn, nimmt es auf den 
Urm und stuͤrzt wuͤtend auf seinen groͤße— 
ꝛen Bruder, der mit einer Peitsche 
mehrere Schritte davon entfernt spielt;
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.