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Von Bürgern und Kindern

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Spielhagens, haben wir da— 
fuͤr viele Zeugen. Allerdings 
begannen sich auch ganz neue 
Formen des gesellschaftlichen 
Verkehrs zu bilden. Die 
schelmischen Pfaͤnderspiele, 
die zu so vielem Flirt, zu 
Umarmungen und Kuͤssen 
Gelegenheit gegeben hatten, 
waren der Damengesellschaft 
nicht mehr tief genug. Dem 
Pietismus folgte die Sucht 
nach Wunderbarem. Um 
1860 wurde das Tischruͤcken 
gesellschaftsfaͤhig. 
Nicht alle Kreise emp— 
fingen dabei Offenbarungen. 
Bei Olfers und in manchen 
andern Haͤusern blieben die 
Damen bei der alten guten 
Tradition. 
Um den runden Tisch 
bei Frau von Olfers fanden 
sich Minister und alle denk— 
baren Gesellschaftskreise zu— 
sammen. Frau von Olfers blieb bei der bewaͤhrten Weise der Tasse 
Tee und des belegten Butterbrotes. Bei dieser vornehmen Form konnte 
es kommen, daß die Fuͤrstin Radziwill mit einer sehr schlichten Malersfrau 
dort zusammen saß, die in Filzpantoffeln gekommen war und aus allerlei 
Lappen Bilder zusammenfuͤgte, wie sie heute so beliebt sind, die damals 
aber nicht die geringste Anerkennung fanden. Fanny Lewald und Missis 
Adams hatten bei Olfers ihren Sofaplatz. Moͤgen Olfers auch hoͤfisch gesonnen 
gewesen sein und sich durchaus konservativ verhalten haben — sie pflegten 
doch nicht die Scheu vor zeitgemaͤßen Menschen, wie sie in so vielen 
andern Kreisen haͤufig war. Fanny Lewald, die auf ihre Weise fuͤr Fort—⸗ 
schritte sorgte und durch einen Zeitungsartikel es durchsetzte, daß die Museen 
auch Sonntags geoͤffnet wurden — um all den vielen in der Woche Be— 
schaͤftigten Kunstfreuden zu verschaffen — Fanny Lewald kann gewiß 
nicht zu den reaktionaͤren Persoͤnlichkeiten gerechnet werden. Auch die 
Bruͤder Grimm und Andersen nicht, eher schon Geibel. Sie alle kamen 
Eine Bücklingsverkäuferin 1830 —40.
	        
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