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Parthie unter den Linden im Jahre 1745

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

sein Dasein aufbauen. Die —— 
reich und brachten nicht soviel Luxus nach Berlin, wie die oͤsterreichisch— 
ungarischen Magnaten nach Wien und die franzoͤsischen Edelleute und Geist— 
lichen nach Paris. Trotzdem sich nun mit dem Reichtum und dem Wohlleben 
auch mehr Anmut des aͤußeren Lebens, mehr Geselligkeitswesen, mehr 
Faͤhigkeiten zum sorglosen Lebensgenuß bei ihnen entwickelten, ist es noch 
die Frage, ob die Pariser und Wieuer nicht besfer kritteln und maͤkeln koͤnnen 
als die Berliner. 
Der Berliner hatte es schwerer, empor zu kommen. Das schaͤrfte seinen 
Verstand und brachte ihn dahin, alles Gefuͤhlsmaͤßige als schwaͤchlich und 
uͤberfluͤssig anzusehen. So entwickelte sich bei ihm eine haͤrtere, rauhere Form, 
unter der allerdings auch oft ein gemuͤtvoller Kern herauszuschaͤlen ist. Denn 
die vielgeschmaͤhte Berliner Schnoddrigkeit ist oft nur ein Mittel, das eigene 
Gefuͤhl nicht hervorsehen zu lassen. Übrigens befleißigt sich die Berlinerin in 
setzter Zeit die rauhe Form zu mildern. Ebenso, wie sie jetzt anfaͤngt, mehr 
auf ihr Außeres zu geben, weil der Mann es wuͤnscht — der oft zu ihren Un— 
gunsten Vergleiche mit den Frauen aus andern Staͤdten gezogen hat —, ebenso 
hat sie ihrem bisher nach der ethischen Seite zu stark betonten Temperament 
jetzt Zuͤgel angelegt. Sie ist jetzt nicht mehr so „offen“ und ruͤcksichtslos wie 
ανα d. . feu. ινα“ 
Berlinerinnen geben den russischen Gefangenen Almosen — 1758.
	        
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