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Die Damen

Full text: Sittengeschichte Berlins / Ostwald, Hans (Public Domain)

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Florkleider ge— 
zuͤllt. Selbst die 
Hofdamen 
ließen sich in 
solch durchsich— 
tigen fließenden 
Gewaͤndern ab— 
konterfeien, daß 
ihre ganze Koͤr— 
perschoͤnheit sich 
enthuͤllte und 
spaͤteren Ge— 
schlechtern ihre 
schoͤne Linie uͤber⸗ 
liefert wurde. 
Siehe S. 39.) 
Die laxe 
Lebensfuͤhrung 
unter Friedrich 
Wilhelm II., den schlaue Duͤmmlinge mit einem Netz mystischer Gaukel— 
uͤnste umspannt hatten, mochte immer noch nachwirken. Von keiner Zeit 
wird soviel uͤber Sittenlosigkeit in Berlin geklagt, wie aus dem Ende des 
18. Jahrhunderts. Viel Geschwaͤtzigkeit, viel Sktandalsucht mag in solchen 
Berichten mitgewirkt haben. Und doch waren sie nicht ohne Grund. 
Konnte doch damals eine Bordellmutter, die Madame Schowitz, einen fast 
historischen Ruf erreichen. Eine starke Laszivitaͤt durchzog das gesellschaftliche 
Leben. In einem Buch aus dem Jahre 1798* wurden aus dem damaligen 
Theater Dinge behauptet, wie sie heute nur in manchen Rauchtheatern 
aͤblich sind. Wird das Übertreibende abgezogen, so bleiben doch noch 
recht merkmuͤrdige Tatsachen uͤbrig. 
Nach jener Behauptung wurden die verschließbaren Logen zu Duo— 
dramen benutzt, die Freudenmaͤdchen hatten freien Zutritt zum Theater, und 
»om sogenannten Paradiese berichtet der Beobachter: „Ein gewisser Schlaͤchter— 
neister applaudiert hier nicht anders, als mit der flachen Herkulischen Hand 
auf den bloßen Hinterteilen seines Maͤdchens, daß das ganze Schauspiel-Haus 
davon ertoͤnt.“ 
Die Derbheit und Ungeniertheit, das Nachgeben der Augenblicksimpulse 
ist zweifellos eine allgemeine Zeiterscheinung gewesen, und zwar eine berlinisch 
x 
Neuestes Gemaͤlde von Berlin nach Mercier.
	        
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