Path:
X. Trennungszeit 1836-1841. Tod der Schwester Caroline v. Humboldt. Thronwechsel in England 1837. Bülow auf Urlaub 3 Monate nach Tegel. Einsegnung der Töchter. Geburt eines Sohnes 1838. Bülow in holländisch-belgischen Vertrages. Bülows Urlaub April 1839. Tod Friedrich Wilhelms III. Verlobung der ältesten Tochter Gabriele. Krankheit und Tod der Tochter Therese. Bülows Ankunft in Tegel 1841

Full text: Gabriele von Bülow (Public Domain)

433 
X. Trennungszeit 1836- 1841. 
hier und Sonnabend auch, dann ging es aber nach Potsdam, und seit⸗ 
dem habe ich ihn nicht wieder gesehen. Heute Mittag aber wird er 
hier essen, und ich hoffe, daß keine olympische Einladung ihn mir ent—⸗ 
führen wird. Er ist von der unendlichsten, liebevollsten Güte und hat 
auch wieder mich und die Kinder so reich beschenkt mit einem ganzen 
Karton der wundervollsten französischen Blumen, wahre Kunstwerke, die 
die Kinder entzückt, ihnen aber das Herz ordentlich groß gemacht 
haben nach einer Gelegenheit, sich mit diesen reizenden Blumen zu 
schmücken. Damit ist mir freilich nun kein Gefallen geschehen, denn in 
die Welt führen kann ich sie wirklich jetzt noch nicht, es wäre doch 
nicht passend bei meinem Alleinsein jetzt, und ich vermag es auch nicht. 
Sie werden es sich auch schon wieder begeben, d. h. Lella, denn der 
war doch eigentlich nur die Lust gekommen. Sollte ich etwa zum König 
befohlen werden zu dem bevorstehenden Dejeuner, so muß ich hingehen 
in Rücksicht auf Dich und die Verhältnisse. Wegen morgen bin ich in 
einem kleinen Kampf mit mir selbst, ob ich der Einladung zu Radziwills 
Folge leiste, der Aufführung der Faust-Musik beizuwohnen. Es tentirt 
mich sehr, aber ich fürchte, ich begehe eine Inkonsequenz, wenn ich mich 
dort sehen lasse und sonst nirgends; dann denke ich aber, man bemerkt 
mich am Ende gar nicht und ich hörte es dann doch. Ich werde den 
Onkel um Rath fragen. Neulich besuchte mich Fürst Wilhelm Radziwill 
und blieb lange hier. Er bleibt sich stets in einem gewissen Bezug⸗ 
nehmen auf die Vergangenheit gleich, und dann klingt Vieles in ihm 
wieder, was ihn sehr angenehm macht. Er trug mir die angelegent— 
lichsten Empfehlungen an Dich auf und die Versicherung, wie sehr es 
ihn freue, Dich jetzt so allgemein anerkannt zu sehen. Das hat auch 
der Onkel überall hier gehört, dessen soll ich Dich auch versichern. Wie 
wenig man Dich aber eigentlich unterstützt, sieht auch Keiner mehr wie 
er, auch in Frankfurt hat er das so empfunden. Man schiebt Alles 
auf die lange Bank, und die Bank wird auch mal zu Ende sein! ... 
Ich schreibe Dir jetzt nach Tische und etwas eilig, da der Onkel 
lange blieb. Er grüßt Dich herzlich und wird Dir nächstens schreiben. 
Er war schon etwas mehr im hiesigen Geleise, aber nicht recht heiter darin. 
Die Uhr sagt mir, daß ich schließen muß. Lebe innigst wohl, 
geliebtes Herz. Des Himmels Schutz und Segen sei mit Dir und 
uns und erfülle endlich unsere Wünsche. 
Deine G.“,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.