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VII. Bülows in London 1828-1833. Reisebericht. Anfang des Londoner Lebens. Abreise der Eltern. Krankheit und Tod der Mutter 1829

Full text: Gabriele von Bülow (Public Domain)

304 VII. Bülows in London 1828 - 1833. 
schlecht. Dies kindische Schreiben erinnert mich an den kleinen Wilhelm. 
Er ist nun in Niesky und gefällt sich sehr gut da. Er hat an Adelheid 
einen hübschen Brief geschrieben. Es macht mir sehr viel Freude, daß 
der arme kleine Junge endlich in regelmäßige Erziehung gekommen ist. 
Nun lebe wohl, bestes Kind, und umarme Bülow und die lieben 
Kleinen herzlich von mir. In diesem Sommer sehen wir uns doch gewiß! 
Mit innigster Liebe Dein treuer Vater 
H.“ 
Im Juni bringt Gabriele einige Tage mit ihrem Baby in Windsor 
zu und genießt das Zusammensein mit der Königin in der schönen 
Natur und ohne Zwang städtischer Etikette. Sommer und Herbst ver⸗ 
streichen ohne Unterbrechung in London, da Bülow durch Geschäfte in der 
endlosen belgischen Angelegenheit gefesselt ist, und wieder muß der Plan, 
die Heimath wiederzusehen, auf das nächste Jahr verschoben werden. 
Das Stillleben, das Gabriele ihrem Baby verdankt, genießt sie sehr im 
Zusammensein mit den Kindern, schickt die Erzieherin auf Urlaub und 
widmet sich ganz ihren kleinen Mädchen. 
„Ich erfreue mich selbst sehr dieser Ferienzeit der Kinder“, schreibt 
sie, ‚„und es wandelt mich täglich mehr die Lust an, keine Gouvernante 
hei ihnen zu haben; so wenig als auch Miß M. ein Geéne zu nennen 
ist, — es ist doch immer ein Zwischending mit einer solchen Person, das 
nicht sein sollte, allein wenn es auch in der jetzigen prächtig stillen Zeit 
geht, so wäre es doch in der Season unmöglich, überhaupt eigentlich bei 
der hiesigen Lebensweise und dem Wohnen in verschiedenen Etagen nicht 
durchführbar. 
Bei den Stunden bin ich immer zugegen, wenn ich es irgend ein⸗ 
richten kann, aber jetzt mache ich täglich mit den Kindern kleine Land⸗ 
—D 
Kinder kommen jeden Morgen mit einem neuen Plan zu mir. Man 
sollte doch nicht sagen, daß London ein ungesunder Ort sei, jedenfalls 
nicht für Kinder. Nirgends sieht man schönere und gesündere Kinder 
als hier; dabei sind sie so abgehärtet. In der Abwartung, die hier die 
Kinder haben, liegt allerdings die größte Ursache ihres Wohlseins, und 
das Geld, das dafür hier ausgegeben wird, ist ein gut angewandtes 
Geld. Daß man darin, nach Maß und Verhältniß natürlich, bei uns 
diesem Beispiel folgte, wäre sehr wünschenswerth. Gehörige Kinder⸗
	        
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