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I. Das Elternhaus 1791-1802. Heirath Wilhelm v. Humboldts. Reisen in Spanien und Frankreich. Rückkehr in die Heimath

Full text: Gabriele von Bülow (Public Domain)

Reisen in Spanien und Frankreich. 
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Meine Frau befindet sich sogar leidlicher als sonst gewöhnlich um diese 
Jahreszeit, und die Kinder sind vollkommen gesund und munter. Auch 
hat uns die Witterung sehr begünstigt. Wir haben, seitdem wir hier 
sind, sehr gutes und schönes Wetter und so gelinde Luft gehabt, daß 
wir nicht einmal Kaminfeuer gebraucht haben. Erst jetzt fängt es an 
etwas kälter zu werden. Meine Frau wird Ihnen geschrieben haben, 
daß ich im Escorial dem König und der Königin vorgestellt worden 
bin. Ich glaube aber nicht, daß sie Ihnen etwas Ausführliches über 
die Ceremonie des sogenannten Handkusses gemeldet hat, die in der 
That für einen, der nur deutsche Höfe gesehen hat, sehr wunderbar ist. 
Diese Ceremonie geschieht sechsmal im Jahr; nämlich am Geburts⸗ 
und Namenstage des Königs, der Königin und des Prinzen von Asturien. 
Der König sitzt alsdann in einem großen Saal an einem mit einer 
reichen Sammetdecke bedeckten Tische. Auf der anderen Seite des 
Tisches sitzt die Königin, gegenüber sind die Garden und Hofbedienten 
und zur Seite hinter dem Könige die Gesandten und Fremden, von 
welchen Letzteren ich jetzt wohl ziemlich der Einzige war. Der König 
und die Königin sind mit Diamanten überdeckt. Alles, was sonst an 
einer Mannskleidung von Stahl oder Metall zu sein pflegt, Knöpfe, 
vier Sterne neben- und untereinander, die Agraffe des Huts und des 
Ordensbandes auf den Schultern, das Degengefäß, der Stockknopf, die 
Schnallen ꝛc. Alles ist von Diamanten, und die Königin trägt ihrer 
so viel auf dem Kopf, daß es ihr in der That sehr inkommodiren 
muß. So werden die Thüren des Saales geöffnet, und nun kommen 
diejenigen, welche dem Könige die Cour machen wollen, hinein und 
küssen mit einer Kniebeugung dem Könige und der Königin die Hand. 
Diesmal waren nur etwa 300 Personen zum Handkuß gegenwärtig, 
sonst aber hat man bis 600 und darüber gezählt. Nach geendigtem 
Handkuß spricht König und Königin mit den Gesandten und Fremden. 
Auch soll sich die Königin nicht übel nehmen, manchmal zu sagen: 
„A présent je m'en vais laver toutes ces cochonneries.“ Sowohl 
der König als die Königin waren sehr gnädig gegen mich und sprachen 
oiel mit mir. Sie erinnerten sich meines Bruders und schienen viel 
Antheil an seiner Reise zu nehmen. 
Hier beschäftigen wir uns vorzüglich mit der ungeheuren Menge von 
Gemälden, die sich hier zusammen befinden. Es ist in der That wunderbar.
	        
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