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V. Brautstand 1816-1821. Reise nach Italien. Aufenthalt auf der Insel Ischia. Winterleben in Rom. Rückkehr nach Deutschland Mai 1819. Winter 1819 zu 1820 in Berlin. Humboldts Verabschiedung 1820. Dresden. Badereise nach Karlsbad und Teplitz. Burg-Oerner. Bülow kehrt aus London zurück. September 1820 Wiedervereinigung des Brautpaares in Tegel

Full text: Gabriele von Bülow (Public Domain)

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V. Brautstand 1816- 1821. 
Ein sehr braver, neuangekommener, obgleich nicht katholisch gesinnter 
Maler ist Wach. Er malt das Leben der heiligen Elisabeth — merk— 
würdig schön. In San Pietro in Montorio hat Palmaroli aufs 
Herrlichste die Geißelung unseres Herrn Christi von Sebastiano del 
Piombo hergestellt, in San Clemente zum Theil, was noch zu retten 
war; in dem von Masaccio dargestellten Leben der heiligen Katharina 
von Alexandrien. Aber habe ich Ihnen von dem Violinspieler in dem 
Palast Sciarra geschrieben? (Sciarra und Barberini haben endlich 
alles Hab und Gut getheilt.) Ach, welch ein Bild, welch ein Portrait! 
Es soll dieser Violinspieler sein bester Freund gewesen sein; in der 
Linken hält er den Violinbogen, über den der Maler einen Lorbeerkranz 
geworfen hat; er ist mit einem Mantel bekleidet und hat ein Barett 
auf. Er sieht über seine eigene rechte Schulter. Das Bildniß ist 
gemalt in der Art wie die Fornarina in Florenz; aber welch eine 
Physiognomie hatte dieser Freund Raffaels! Aller Schmerz und alle 
Wollust des Lebens und der Liebe sind in diesem Mund und in diesen 
zdunklen Augen! Die Bilder in Sciarra sind sehr schön aufgehängt, 
nicht folcher Schmutz wie bei Barberini. In Borghese wird auch Alles 
pulitamente aufgehängt. Die Grablegung da von Raffael ist mit das 
erste Bild in der Welt. 
Wie danke ich Ihnen für die lieben Zeilen über die Gräber meiner 
Kinder! Wohl ruhen ihre Gebeine in theurer Erde, und über ihrem 
Brabhügel führt die allgewaltige Zeit ewig neue Gestaltungen des 
irdischen Lebens, dem sie, so früh entnommen, nur wie eine noch geschlossene 
Blume angehören. 
Ich eile noch zu den nothwendigsten Beantwortungen. Die in der 
Gegend von Albano gefundenen Gefäße aus sehr hohem Alterthum sind 
wahrscheinlich, nach Hirt, germanischen Ursprungs, denn man findet die— 
selben in Deutschland. Man hat sie zur Seite unter den Lagen von 
Peperino am See hereingeschoben, um eine bergende Decke für die Grab— 
stätten zu haben. Die Vasen, Urnen, in denen zuweilen Halsbänder 
bon Ambra, einiger Schmuck, kleine Schilde und Speere lagen, standen 
immer, wahrscheinlich familienweise in einem großen irdenen Gefäß, 
einem solchen ungefähr, wie man noch jetzt zum Aufbewahren des Oels 
zebraucht, mit Deckeln. Der Ort, wo man sie fand, war zwischen 
Castel Gandolfo und Marino. Auf Montecavo in Pallazuola war ich
	        
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