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V. Brautstand 1816-1821. Reise nach Italien. Aufenthalt auf der Insel Ischia. Winterleben in Rom. Rückkehr nach Deutschland Mai 1819. Winter 1819 zu 1820 in Berlin. Humboldts Verabschiedung 1820. Dresden. Badereise nach Karlsbad und Teplitz. Burg-Oerner. Bülow kehrt aus London zurück. September 1820 Wiedervereinigung des Brautpaares in Tegel

Full text: Gabriele von Bülow (Public Domain)

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V. Brautstand 1816- 1821. 
es ist von hohen schönen Bäumen umgeben, unter deren Schatten wir 
unser Frühstück einnahmen, wobei die ganze Gesellschaft sehr lustig war, 
und da sich nun August zur weiteren Besteigung rüstete, fanden sich 
schon mehrere Begleiter. Frau v. Ramdohr erklärte, sie wolle auch 
mitgehen, und als sie es unternahm, mochte ich nicht zurückstehen, da 
ich große Lust hatte, den rauchenden Berg zu besteigen, dessen Toben 
man schon unten vernahm. So traten wir also die Reise an, begleitet 
von allen Herren. Eine Viertelstunde kann man noch reiten, den 
kleinen Berg hinunter, durch das Thal zwischen dem Somma und dem 
Vesuv, welches ganz mit Lava bedeckt ist, allein am Fuße steigt man 
ab und beginnt das sehr beschwerliche Steigen, erst eine Weile in Sand 
und Asche, dann auf hohen spitzen Steinen, welche Einem die Füße be— 
schädigen. Doch wenn man langsam geht und sich ausruht, so kommt 
man ziemlich leicht hinauf. Die Führer sind sehr gut, ich hatte zwei, 
einen der vor mir ging und ein Tuch um den Leib hatte, an welchem 
ich mich hielt, und neben mir ein anderer, und oft gab mir einer der 
Herren hülfreiche Hand. So gelangten wir nach einer Stunde mit 
sinkender Nacht zu dem Fuße des Kegels. Welch ein Anblick bietet 
sich da dem Auge, wie belohnend für alle Mühe, wenn mit ungeheurem 
Zischen und Brausen eine hohe Feuersäule emporschießt, die dann in 
tausend glühenden Steinen den Kegel bedeckt und hell die Wüste, auf 
der man steht, beleuchtet, bis daß Alles wieder verlöscht und die ge— 
heimnißvolle Dunkelheit Einen umfängt, die aber bald wieder von einem 
Feuerregen unterbrochen wird, der abwechselnd und oft auch zu gleicher 
Zeit aus dem großen und kleinen Krater sich erhebt. Die Führer 
sagten uns: wenn wir noch den höchsten Gipfel ersteigen wollten, so 
würden wir auf der Seite nach Pompeji zu den glühenden, fließenden 
Lavastrom sehen. Da das noch äußerst beschwerlich war, so waren die 
Stimmen getheilt, allein Frau v. Ramdohr ging voran, und wir folgten. 
Wirklich war auch dieses Stück Weges zwar kürzer, aber noch mühsamer 
als der erste, besonders da es völlig Nacht war und die Leute, aus 
Furcht, die mitgenommenen Fackeln würden nicht ausreichen, sie noch 
nicht anstecken wollten. Endlich kamen wir oben an und sahen auch 
die Lava fließen. Wir standen da dem kleinen Krater so nahe, daß bei 
einem Ausbruche mehrere Steine auf eine Stelle fielen, wo wir unmittel⸗ 
bar vorher uns befunden hatten. Doch ist keine Gefahr, da die Führer
	        
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