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III.

Full text: Lassalle / Schirokauer, Alfred (Public Domain)

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Begeistert hob Duncker sein Glas: „Die Ty- 
rannenwehr England, der Hort der Freiheit der 
Nationen, die Stütze der Unterdrückten — hoch, 
meine Herren!“ 
Alle, auch der alte Boeckh und Scherenberg, 
stießen zustimmend an. Nur Lassalle aß unbe- 
kümmert weiter. 
„Nun, Herr Doktor?“ fragte Boeckh, der sich 
mit dem Glase in der Hand ihm zuwandte, „Sie 
stoßen nicht an auf England?“ 
„Nein,“ erwiderte Lassalle plötzlich heftig. Aller 
Augen richteten sich auf ihn. . „Nein,‘“ wiederholte 
er, „Ich mache diesen allgemeinen Taumel nicht mit. 
Verzeihen Sie mir, meine Herren, ich finde diesen 
Freudenrummel geradezu kindisch.“ 
Eine Bewegung lief um den Tisch. 
„Meine Herren, ich muß offen aussprechen, was 
ist. Ich bin heute vormittag studienhalber durch die 
Stadt gegangen. Der Unfug ging so weit, daß die 
Leute berauscht waren von der Anordnung des 
Polizeipräsidiums, die an den Anschlagsäulen an- 
geheftet ist. 
Haben Sie sie gelesen? ‚Immer links gehen.‘ 
Ich habe ergraute Männer gesehen, die sich die 
Polizeiverfügung zeigten und in die Arme fielen. Ich 
habe mir an den Kopf gegriffen. Glauben Sie 
wirklich, daß die Hohe Obrigkeit damit einen libe- 
ralen Kurs anzeigen will? Daß nun statt extrem 
rechts — links regiert werden wird? Meine Herren, 
das grenzt doch an Selbstbetrug, eine einfache Ver- 
kehrsvorschrift als Glaubensbekenntnis der Regie 
rung zu interpretieren.‘ 
Alle schwiegen und sahen auf den Mann, dessen 
Gesicht jetzt scharf war wie aus Bronze gegossen,
	        
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