Path:
XX.

Full text: Lassalle / Schirokauer, Alfred (Public Domain)

393 
Jetzt ist es 6 Uhr, und Du mein Herz und Golt 
bist num schon hier? O0! dieser Gedanke gibt mir wieder 
Kraft und Stärke — denn ich muß die Nähe und AU- 
gewalt meines Herrn und Gebieters fühlen, um nicht zu 
weichen, um nicht auch andern gegenüber zu sein, wie 
Dir — das Kind. Aber ich fühle Dich und Deine 
Liebe — und so fürchte ich nichts mehr und bin jetzt und 
tür immer Dein Weib, Dein Kind, Deine Dich an- 
betende Sache! 
Sage mir auf einem kleinen Zettel, daß Du mich 
liebst! Denn ich, Ferdinand, ich liebe Dich ja so sehr! — 
Es ist geschehen — ste haben gesprochen — — mein 
Vater hat erklärt: ich wäre seine Tochter nicht mehr! — 
und was nun geschieht —* 
So weit hatte Lassalle gelesen, da stürzte Helene 
zur Tür herein. 
„Was ist?‘ entsetzte er sich über ihre Verstört- 
heit. Sie brach zu seinen Füßen nieder, stöhnend, 
fassunzslos. 
Er trug sie an dem erstaunten Wirt vorbei in 
das bestellte Zimmer, 
„Um Gott, Helene, was ist?“ drängte er. 
Da zerrte sie den Hut von den Haaren, schleu- 
derte ihn in die Ecke, warf sich rücklings auf das 
Bett und ächzte: „Nimm mich, nimm mich hin, ich 
bin deine Sache — ich bin dein — nimm mich !“ 
Der Mann stand und starrte auf diese leiden- 
schaftliche Hingabe. Sie lag mit violetten Lidern, 
und jede Pore harrte seiner Liebe. 
Da trat er zum Bett, ergriff ihre fiebernde Hand 
und sänftigte: „Nein, Helene, so nicht. So nehme 
ich dich nicht.“ Seine böse alte Eitelkeit flammte 
auf. „Was denken sich denn deine Eltern! Mir,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.