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XI.

Full text: Lassalle / Schirokauer, Alfred (Public Domain)

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hundertjährigen Geburtstages des Philosophen Fichte 
die Festrede in der Philosophischen Gesellschaft 
halten.‘ — 
„Sie können alles, was Sie wollen,“ himmelte 
sie mit großen Augen. „Sie werden doch die Ar- 
beiter, gerade die Arbeiter, nicht zurückstehen lassen 
rollen 1“ 
Da lächelte er: „Ihr Vertrauen soll bei mir 
nicht z@schanden werden, Fräulein Hedwig. Also, 
sagen Sie dem Vater, ich werde den Vortrag halten. 
Das Thema werde ich ihm in einigen Tagen mit- 
+ajlen.‘ 
„Ich danke Ihnen,‘ gab sie ihm zum Abschied 
die Hand, „und freue mich schon sehr darauf.‘“ Sie 
ging der Tür zu. 
Da fragte er: „Haben Sie es so eilig, Fräulein 
Hedwig? Es wäre doch sehr nett, wenn Sie ein 
bißchen ablegten und ein Stündchen gemütlich mit 
mir verplauderten. Bei Ihnen zu Hause habe ich 
doch nie viel von Ihnen über all unseren politischen 
Debatten.“ 
„Gern,“ willigte sie ein ohne Prüderie, „wenn 
ich Sie nicht störe.“ Und legte Hut und Jackett vor 
dem Spiegel ab. Als sie mit raschen Griffen das 
braune Haar über der Stirn ordnete, musterte er ihre 
biegsame schöne Figur in dem hübschen schwarzen 
Kleide. Sie fing seinen Blick im Spiegel auf. 
„Was ist?“ fragte sie ein wenig verwirrt. 
„Ich wundere mich,“ gestand er, „daß Sie so 
schmuck gekleidet gehen.“ 
„Ja,“ sagte sie mit hochgezogenen Brauen. „Wir 
müssen das wegen ider Kunden. Es kostet Geld 
genug.‘ Dann wandte sie sich ins Zimmer zurück, 
und sich neugierig umblickend, lobte sie naiv: „Fein
	        
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