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5. Abschnitt. Verkehrspolitik

Full text: Reden und Aufsätze von Johannes Kaempf / Kaempf, Johannes (Public Domain)

des Verkehrs herbeigeführt werden muß, und ich meine, 
gerade deswegen, weil eine Verringerung des Verkehrs herbei“ 
geführt werden würde, sollte die Reichspostverwaltung nicht 
auf den Weg treten, den sie betreten hat, und eine Ver“ 
teuerung des Fernsprechwesens herbeiführen. Und wenn 
das noch damit begründet wird, daß aus technischen Gründen 
eine Verringerung des Verkehrs wünschenswert sei, so muß 
ich sagen: in allen Verkehrsentwicklungen haben es schließ- 
lich noch die Techniker fertiggebracht, dem Verkehr und 
seiner Entwicklung zu folgen, und es darf nicht darauf ge* 
drungen werden, daß, weil die Techniker nicht in der Lage 
sind, den Verkehr zu bewältigen, nunmehr der Verkehr herab- 
gedrückt und eingeschränkt wird. Was im Verkehr nützlich 
und unnütz ist, weiß der Verkehr selber am besten, und er 
wehrt sich mit Recht dagegen, daß von seiten irgendeiner 
Behörde darüber eine Kritik geübt wird. Ich möchte nur 
fragen, ob der Herr Staatssekretär des Reichspostamtes und 
seine Herren Beamten denn beurteilen können, ob ein Ge* 
spräch, das geführt wird, unnütz oder notwendig oder nütz“ 
lich ist? Ja, was für den einen nützlich oder notwendig 
erscheint, erscheint dem andern vielleicht ganz überflüssig 
und unnütz. Das muß man doch demjenigen überlassen, 
der das Gespräch führt, der die Fernsprecheinrichtung benutzt, 
und nicht einem anderen, der sich nicht in die Seele des 
Sprechers hineindenken kann. Mit demselben Recht könnte 
auch gesagt werden, es würden zu viel Briefe geschrieben, 
zum Beispiel zu viel Neujahrsbriefe, das mache der Post 
große Beschwerden [und müsse eingeschränkt werden; oder: 
es werde zu viel telegraphiert, es sei unnütz, wenn zum 
Beispiel einer dem andern zum Geburtstag telegraphisch 
gratuliere. Das geht meiner Ansicht nach die Postverwaltung 
gar nichts an. Die Postverwaltung hat sich darauf einzu- 
richten, daß die Ferngespräche, die Briefe und Telegramme, 
die an sie kommen, befördert werden; aber sie hat sich nicht 
um den Inhalt derselben zu kümmern und kein Urteil darüber 
abzugeben, ob sie nützlich oder unnütz sind. Wie würde 
es denn auf der Eisenbahn werden? Wie viele Leute mögen 
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