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4. Abschnitt. Handelsverträge

Full text: Reden und Aufsätze von Johannes Kaempf / Kaempf, Johannes (Public Domain)

Reihenfolge von Angelegenheiten, die er vorgebracht hat. 
Ich werde ihm nicht auf die Frage der Dattelzölle folgen 
und werde nicht davon auf die hohe Politik mit Frankreich 
und England übergehen, sondern ich werde mich darauf ber 
schränken, einige wenige Punkte hervorzuheben, die ich 
hervorheben muß, weil die Herren Vorredner mir Veranlassung 
dazu gegeben haben. 
Der Herr Graf Kanitz hat bezweifelt, daß es eine 
gesunde Wirtschaftspolitik unsererseits gewesen sei, langfristige 
Handelsverträge zu schließen. Ich muß ihm antworten, daß 
die Industrie den allergrößten Wert darauf gelegt hat und 
auch ferner darauf legt, daß langfristige Handelsverträge ge- 
schlossen werden. Das ist um so notwendiger in einer 
Periode, wo die Zölle nicht erniedrigt, sondern von 5 Jahren 
zu 5 Jahren oder von Dezennium zu Dezennium erhöht 
werden; denn gerade deswegen ist es erforderlich, gegenüber 
etwaigen Erhöhungen der Zölle unsere Industrie durch lang“ 
fristige Handelsverträge in die Lage zu versetzen, ihre Eins 
richtungen zu treffen und ungestört durch etwa zu erhöhende 
Zölle auszunutzen. Der Herr Graf Kanitz wird mir daher 
nicht verargen, wenn ich sage, sein Ausspruch stehe in 
direktem Gegensatz zu den Interessen der Industrie, zu den 
berechtigten Interessen, die unsere industrielle Entwickelung 
fordert. 
Wenn der Herr Graf Kanitz dann auf unser politisches 
und unser handelspolitisches Verhältnis mit England ges 
kommen ist, so, glaube ich, hat er durch einen Ausspruch, 
den er getan, unser Schutzzollsystem so scharf verurteilt, wie 
es niemand schärfer hätte verurteilen können. Denn er hat 
hervorgehoben, daß die Einführung des Schutzzolles in 
England der größte Nachteil sein würde, der unserer ins 
dustriellen Entwickelung bereitet werden könnte, und er wird 
zugeben, daß, wenn England zum Schutzzoll übergeht, nicht 
zum geringsten Teil die Entwickelung daran schuld ist, die 
die Schutzzollbewegung bei uns in Deutschland genommen hat. 
Wenn der Herr Graf Kanitz dann ferner darauf eins 
Begangen ist, daß wir in dem Abkommen mit Amerika ein 
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Kaempf. Reden und Aufsätze.
	        
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