Berliner Medizinische Gesellschaft.
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Nürnberg 1893 den großen Toten August Wilhelm v. Hofmann und
Werner v. Siemens widmete, sind der Ausdruck des Geistes, der ihn selbst
beseelte. „Die rein empirische Technik mußte erst von dem Geiste der
Naturwissenschaften durchdrungen werden, um sich zur Höhe der natur—
wissenschaftlichen Technik zu erheben“, dieses Wort, das Bergmann
auf Siemens anwandte, gelte auch, heißt es in dem Nachruf, den
Naunyn in der Dresdner Naturforscherversammlung von 1907 Berg—
mann widmete, für dessen eignes Fach, die Chirurgie, und für ihn, den
Chirurgen. Es wäre Bergmanns Größe und Stärke, daß er auch als
praktischer Chirurg überall bewußt den wissenschaftlichen Sinn wahrte
und hochhielt. „Er war mehr als ein berühmter Chirurg: er war ein
bedeutender Mensch; auch in unsern Versammlungen haben wir die
Wucht seiner Persönlichkeit erfahren.“
Endlich haben wir auch noch der Beziehungen Bergmanns zur
Berliner Medizinischen Gesellschaft zu gedenken.
Er hat ihr fast ein Vierteljahrhundert angehört, seit 1885 als stell—
vertretender, seit Virchows Tode als ihr Erster Vorsitzender. An
seinem siebzigsten Geburtstage machte sie ihn zu ihrem Ehrenpräsi—
denten. Seine Kunst, den wissenschaftlichen Eifer anzuspornen, zu
gegenseitiger Förderung im mündlichen Austausch des Erlebten und
Erfahrenen anzuregen, den guten, kollegialen Ton zu erhalten, vollends
seine Meisterschaft in der Leitung der oft schwierigen Verhandlungen
hat er auch dort bewiesen. Freilich waren er und Virchow in der Art,
wie sie den Vorsitz führten, sehr verschieden voneinander: zu dem
bedächtig und langsam seine Worte wägenden Vorgänger, unter dem
sich die Debatte in den letzten Jahren oft nur mühsam hinschleppte,
bildete der Nachfolger mit seiner schnell auf das Ziel lossteuernden,
aufrüttelnden, das Wesentliche immer kurz zusammenfassenden
Leitung und dem festen Willen, die Diskussion nicht nur in Fluß zu
bringen, sondern auch möglichst ergiebig zu gestalten, endlosen Er—⸗
zrterungen aber einen Riegel vorzuschieben, einen immer empfun—
denen Gegensatz.
Ein großer Tag war für ihn, als er den neuen Sitzungssaal der
Gesellschaft im Langenbeck-Hause einweihte, wobei er in seiner An—
sprache betonte, daß die korporative Gestaltung des Vereinslebens
dasjenige Mittel sei, das den Arzten den ihnen gebührenden Einfluß
im öffentlichen Leben gewinne. Das eigne Heim, die eigne Arbeits-
stätte sei der erste Schritt, aus der Abhängigkeit, aus der wenn auch
vortrefflichen so doch ausschließzlichen Fürsorge von Staat und Ge—
meinde für alles, was den ärztlichen Interessen gilt und dient, heraus⸗
zutreten. „Hier haben wir die eigne Stätte zum eignen Schaffen,
wo wir in freier Selbstbestimmung arbeiten und sammeln, lernen,
lehren und forschen können.“