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Full text: Ernst von Bergmann / Buchholtz, Arend (Public Domain)

Nach Rumänien 1877. 
357 
Tagen zu einer Konferenz mit dem Generalstabschef herangezogen 
und die Bezirke verteilt hätte. Danach war Bergmann die Gegend 
westlich von Giurgewo, also um Alexandria, zugefallen. Er gab sich 
damit zufrieden und war es auch, denn dort, so nahm er an, würde sich 
der Donauübergang abspielen. Außerdem erhielt er zwei Hospitäler, 
deren Einrichtung bereits im Gange war. In dem einen, Nr. 56, 
waren die jüngern Ordinatoren alle frisch aus Dorpat entlassene Me— 
diziner. Endlich hatte Prisselkow noch angeordnet, daß die Bergmann 
von der Großfürstin übergebenen Schwestern in diesen beiden Hospi⸗— 
tälern untergebracht würden. 
Weniger befriedigend verliefen die Verhandlungen über die Aus— 
zahlung der Gehälter. Obgleich Koslow Bergmann ausdrücklich zu— 
gesichert hatte, daß er außer dem Monatsgehalt von vierhundert 
Rubeln in Gold die kriegsüblichen Diäten erhalten solle, wurden diese 
auf telegraphische Anfrage in Petersburg abgelehnt. 
Am 285. Mai abends traf der Kaiser in Plojeschti ein, in der festlich 
geschmückten Stadt enthusiastisch begrüßt. 
Den achttägigen Aufenthalt in der kleinen rumänischen Stadt 
benutzte Bergmann zur Anknüpfung vieler amtlichen und persönlichen 
Beziehungen: er wurde mit den beiden andern konsultierenden Chirur⸗ 
gen Korshenewski und Sklifossowski und dem Chefchirurgen der Donau⸗ 
armee Dr. Kadatzki bekannt und genoß in einer Audienz, in der er sich 
und seine Assistenten dem Kriegsminister Generaladjutanten Miljutin 
vorstellte, das Glück, den Reformator des russischen Heers bei der 
Erwähnung der zu erwartenden Verwundeten weinen zu sehen. 
Über einen Empfang beim Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, bei 
dem Bergmann durch dessen Leibarzt Dr. Obermüller eingeführt 
wurde, berichtet sein Tagebuch folgendes: „Im Vorzimmer mußten 
wir einige Augenblicke warten. Dann ging die Tür auf: des Groß— 
fürsten hohe, schlanke Gestalt erschien. Er sah infolge der kurz vorher 
überstandenen Krankheit noch etwas angegriffen aus. Er begrüßte 
mich in deutscher Sprache: er wisse, daß ich schon zwei Kriege mit— 
gemacht, erkundigte sich nach meinen ausländischen Gedenkzeichen und 
meinte, ich würde mehr Arbeit finden, als mir lieb. Ich möchte nicht 
in Ihre Hände fallen“, bemerkte er, doch fügte Obermüller hinzu: 
Wenn aber das Unglück es fordert, daß Kaiserliche Hoheit einen Arzt 
brauchen, so können Sie keinen bessern Chirurgen finden“. „Also 
dann flicken Sie mich rasch und ohne viel Schmerzen aus. Wie heißt 
denn Ihre Methode? Die offene Wundbehandlung wird doch nach 
einem Engländer genannt? Wie heißt er denn? Ich glaube Lisperdon? 
Nein, Lister, Kaiserliche Hoheit! Blamieren Sie mich doch nicht, 
Kaiserliche Hoheit', seßie Dbermüller hinzu, ich habe Ihnen so oft 
schon von Lister gesprochen!“ Der Großfurst lachte und ließ sich
	        
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