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Professor in Dorpat 2. Die Dorpater Barackenklinik

Full text: Ernst von Bergmann / Buchholtz, Arend (Public Domain)

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Georg Dragendorff. Alfred Vogel. 
Hieran schloß sich in Bergmanns Wohnung ein Frühstück, an dem 
unter andern der seit 1867 in Dorpat lebende Karl Ernst v. Baer teil⸗ 
nahm. Einen Trinkspruch, den er auf den mit anwesenden Pastor 
zu Rujen ausbrachte, begann er mit den Worten: Wer den Sohn ehrt, 
muß auch den Vater ehren. 
3. Kollegen und Freunde. 
Die Dorpater medizinische Fakultät hatte ihre Höhe zu erhalten 
gewußt: auf dem Platze, den die alten Heroen verlassen hatten, standen 
junge, rührige Kräfte, um die sich eine Schar arbeitslustiger und 
wissenschaftlich tätiger Schüler zu sammeln pflegte. Als Bergmann 
seinem Kollegen Billroth im Jahre 1868 einige Dorpater Dissertationen 
geschickt hatte, äußerte sich der Wiener Chirurg geradezu begeistert über 
die vortreffliche Methode der Untersuchung wie über die Beherrschung 
der Materie und der Sprachform. „Wenn die jungen Herren ohne 
wesentliche Hilfe ihre Arbeiten stilisiert haben, dann befinden Sie sich 
in Rußland auf einer Höhe der Vorbildung für die Universitäten, die 
alles in Deutschland und der Schweiz hinter sich läßt. Dorpat hat den 
unbestrittenen Ruhm, die besten medizinischen Dissertationen zu 
liefern.“ 
Es war in Dorpat eine Lust, zu lehren und zu lernen, hat einer der 
damaligen Universitätslehrer bekannt und damit vielen andern aus 
der Seele gesprochen. 
Einer der fruchtbarsten Dorpater Lehrer und Gelehrten, die einen 
in der wissenschaftlichen Welt weit bekannten Namen hatten, war 
Georg Dragendorff (18361888), seit 1864 ein Menschen⸗ 
alter lang Ordinarius für Pharmakologie. Seine Tätigkeit beschränkte 
sich keineswegs auf die Pharmazeuten: sein Verdienst war auch, daß 
sich die in Dorpat gebildeten Arzte von ihren deutschen Kollegen durch 
chemische und pharmakologische Kenntnisse vorteilhaft unterschieden, 
denn er sorgte dafür, daß jeder einzelne Mediziner und Pharmazeut 
in seinem Institut experimentieren mußte. Seine Arbeitskraft und 
Arbeitslust waren ganz ungewöhnlich dehnbar, und die Zahl der aus 
seinem Institut hervorgegangenen Veröffentlichungen zählt nach hun— 
derten. Neben der außerordentlichen Lehrgabe war es aber auch die 
Lauterkeit seines Charakters und seine Herzensfreundlichkeit, die jeden, 
den er unterwiesen hat, sich mit dankbarer Genugtuung seinen Schüler 
nennen lassen. 
Der Nachfolger des früh verstorbenen Wachsmuth wurde als Pro⸗ 
fessor der Therapie und Klinik 1866 Alfred Vogel (1828-1890). 
Er kam aus München und hatte sich durch ein bedeutendes und originelles
	        
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