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Im Deutsch-Französischen Kriege 2. Briefe aus dem Elsaß. Von Ernst v. Bergmann

Full text: Ernst von Bergmann / Buchholtz, Arend (Public Domain)

Briefe aus dem Elsaß. 
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eine angstvolle Schar verscheuchter Tauben flohen sie vor dem auf— 
steigenden Kriegsungewitter in die schützende Heimat! Dann kamen 
die endlosen Truppenzüge. Auf bloß vier Linien schaffte in weniger 
als einer Woche Deutschland eine halbe Million Streiter an die fran⸗ 
zösische Grenze! 
Aber nicht bloß das Volk von Stadt und Land belagert in sehr ver— 
zeihlicher Neugierde den Bahnhof. Tausenderlei Gegenstände aus 
den Depots, den Magazinen und Vereinen müssen die Säle, die 
Schuppen und vor allen Dingen der Perron fassen und bergen. Der 
Perron ist haushoch bepackt, daß man sich zwischen den Kisten, Tornistern, 
Bergen von Mehl-⸗ und Hafersäcken, den Fässern, Gewehren, Mänteln 
und Decken kaum durchwinden kann, nur hier und da erspäht man 
einen lichten Fleck, man eilt hin, aber barsch weist die Schildwache 
zurück, denn hier sind die Gewehre der Ersatzmannschaften abgestellt, 
deren Träger drinnen im Hauptgebäude die im Übermaß gebotenen 
Erquickungen mit lautem Lärmen zu sich nehmen. Der Wartesaal 
erster und zweiter Klasse hat schon lange aufgehört, seiner ursprüng⸗ 
lichen Bedeutung zu dienen. Hier hat der Männerhilfsverein des 
Orts seine Tische aufgeschlagen mit all den Leckerbissen des Soldaten 
bom berühmten Gilka bis zur noch berühmtern Erbswurst und mit all der 
Fülle von Erfrischungen für die Verwundeten, die Küche und Keller 
der Reichsten des Orts willig boten. Im Bureau des Bahnhofinspektors 
residiert das Etappenkommando, in dem ein von Fragenden und Bitten⸗ 
den aller Stände taubgeschriener Major z. D. stets die konfusesten Ant⸗ 
worten gibt, und drei am Pulte emsig schreibende Feldwebel uner— 
müdlich die falschen Angaben ihres Chefs richtig korrigieren. Im 
Packraume ist die Wache etabliert, zwanzig Mann Landwehr, die die 
schwere Pflicht haben, die in großartigster Unordnung überall herum—⸗ 
liegenden Gegenstände vor unberechtigter Weiterbeförderung zu 
schützen. Das ausgeräumte Restaurationslokal ist zur Bahnhofs⸗ 
ambulanz eingerichtet, die die aus den Wagen geladenen Verwundeten 
zuerst empfängt, um sie dann weiter zu verteilen, d. h. entweder den 
Vereinsreservelazaretien in der Stadt zuzuweisen oder nebenbei in 
dem in eine große Krankenstube umgewandelten Güterschuppen zurück⸗ 
zuhalten. Erstere sind die schwerer Verletzten, letztere die leichter 
Verwundeten, die nach einigen Tagen Ruhe wieder aufgeladen wer— 
den, um den immer weiter vom Kriegsschauplatz entfernten Laza⸗ 
retten zugesendet zu werden. In Reih' und Glied stehen in dem 
großen Saale die verschiedensten Transportvorrichtungen: Bahren 
und zweirädrige Karren, schön leicht und handlich. Alles, was zum 
Verbinden gehört, ist in schönster Ordnung in Kasten und Körbchen 
untergebracht: es fehlt weder an Scharpie und Binden noch an 
Arm⸗ und Beinschienen, Wundnäpfen und Spritzen. Selbst der
	        
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