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Im Kriege von 1866 4. Aus preußischen Kriegslazaretten. Von Ernst v. Bergmann

Full text: Ernst von Bergmann / Buchholtz, Arend (Public Domain)

Aus preußischen Kriegslazaretten. 
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Volk aber, das hier den Acker baut, ist ärmlicher, verkommener, elender, 
als irgendwo in den Dörfern Posens. Auf den Bergen romantisch 
schöne Schlösser in wohlbewahrter Pracht des Mittelalters und in den 
Tälern Hütten, zerfallen und zerfetzt. Massive Fabrikgebäude, um— 
geben rings von hölzernen Baracken, steinerne zweitürmige Kirchen 
ragen aus schmutzigen niedrigen Dörfern. Meilenweit dehnen sich die 
wogenden Kornfelder der Klöster, während der Bauer auf dürrem 
Sandsteinufer der Elbe mit dem Spaten seine Wirtschaft besorgt. 
Muße genug, über Böhmens Land und Leute, alte und neue 
Schickungen Betrachtungen anzustellen hatte der Reisende, der mit 
dem ersten Zuge der eben in Besitz genommenen Bahn expediert 
wurde. Die Strecke Turnau-Königinhof hätte der berüchtigte Anti— 
pode der Eisenbahn, der heimische Planwagen, wohl ebenso rasch 
durchmessen als die Lokomotive. Oft wurden die Wagen ausgehakt, 
und die Lokomotive, allein voran fahrend, sondierte das Terrain; 
an andern Orten stieg der Zugführer aus und rekognoszierte stunden— 
lang mit seinem Pikett Soldaten die Gegend, oder ein böhmischer 
Bahnwärter, der „alles in Ordnung!“ signalisiert hatte, wurde als 
Pfand für die Zuverlässigkeit seiner Signale vor das drohende Pistol 
eines Soldaten gestellt, bis der Zug über die von ihm garantierte 
Strecke fortgebraust war. Solche Eisenbahnfahrten setzen die zum 
Dienst in Feindesland eingezogenen Beamten nicht geringern Ge— 
fahren aus, als die sind, die Sturm und Kampf bringen. Der Betriebs⸗ 
direktor der Turnau-Kraluper Bahn ist siebenmal während der kurzen 
Dauer ihrer Benutzung entgleist. — Königinhof war das Ziel der 
Fahrt, das Ende der Bahn, denn hinter dem Bahnhof war eine drei 
Bogen starke Brücke über ein kleines Flußtal gesprengt worden, um 
die Verbindung mit dem nur eine Meile weiter gelegenen Josefstadt 
zu unterbrechen. 
Das Bild der Verwüstungen des Krieges ist der ganzen Gegend 
schrecklich aufgeprägt. Rechts von der Bahn den Berg hinan führt 
eine breite Chaussee, auf der sich das erste Armeekorps fortbewegte, 
um über Bürglitz die Verbindung mit der Division Fransecky herzu— 
stellen. Eine Kette von Wagen nahm jetzt die Straße ein, alle be— 
laden mit Sterbenden und Verwundeten, die beim Bahnhof von 
zwei Arzten und einem Dutzend Trainsoldaten empfangen wurden. 
Wie einfach war die ärztliche Arbeit, die hier vor meinem Auge sich 
entwickelte — ein Sortierergeschäft en gros! In die Stadt weiter 
unten am Bergesabhang wurden die Schwerverwundeten dirigiert: 
die zwei Schuppen und der obere Stock des Bahnhofs waren längst 
schon gefüllt. Das Feld nebenbei diente den Leichtblessierten als 
Lazarett, die niedergebogenen Roggenhalme als Betten. Die etliche 
Klafter lange Grube endlich zur Seite der Schienenstränge unter den
	        
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