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Jubiläum der Universität Wien.
Mitte Juli wurden die Vorlesungen geschlossen; bei Klob und in
der Veterinärschule, wo ihn Experimente an Hunden viel beschäftigten,
wurde aber noch weiter gearbeitet trotz der erschlaffenden Hitze:
„Am Tage kann man sich nur langsam durch die Gassen schleichen,
und, sitzt man am Schreibtisch, so fühlt man sich so aufgelöst matt, daß
man ein regungsloses und gedankenloses Liegen auf dem Sofa für
die einzig passende Beschäftigung halten möchte.“ Am besten ließ
es sich in den kühlen Räumen der Vrosektur des Rudolf-Spitals aus⸗
halten.
An Hildegards neunzehntem Geburtstage, am 29. Juli, machte er
nach einem angestrengt fleißigen Tage mit Klob einen Ausflug nach
Liesing. „An wichtigen Tagen zu arbeiten“, schrieb er ihr, „bringt
meiner Ansicht nach Segen. Ich glaube, ich habe das aus Auerbachs
„Edelweiß“ gelernt, und weil der Schwarzwälder Uhrmacher an
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am Abend des 2. Oktober (1864) meinen Operationskursus auch nicht
ausgesetzt.“
Noch bevor er Wien verließ, ging eine dritte dort entstandene und
vollendete Arbeit „Uüber die giftigen Eigenschaften der Anilinfarben“
an die Redaktion der Prager Vierteljahrsschrift für die praktische
Heilkunde ab.
In den ersten Tagen des August wurde die Feier des fünfhundert—
jährigen Bestehens der Wiener Universität begangen, aber ohne die
Teilnahme des allergrößten Teils der Studentenschaft, und selbst eine
starke Gruppe der Professoren hielt sich den Festen, die in den Redouten⸗
sälen der Hofburg stattfanden, fern, was einen Mißton in die Fest⸗
stimmung brachte, aber seine Erklärung in den in einer Adresse an
den Minister v. Schmerling vergeblich zum Ausdruck gebrachten
Bemühungen der angesehensten Mitglieder des Professorenkollegiums
fand, die Staatsregierung zu veranlassen, der Aniversität endlich ein⸗
mal die ihr noch immer fehlende Regelung ihres Organismus zu ver—⸗
leihen, mit andern Worten: ihr die Erhaltung und den Fortschritt
wissenschaftlichen Geistes zu garantieren. Verstimmend wirkte aber
auch, daß Schmerling aus der Liste der Ehrendoktoren Virchow,
Gneist und Waldeck gestrichen hatte, was dazu führte, daß die juristische
und die medizinische Fakultät überhaupt keine Ehrendoktoren ernannte.
„Quos voluerunt non potuerunt“, bemerkte, in seiner Rede hierauf
anspielend, der Jubiläumsrektor Hyrtl, d. h. die in Vorschlag Ge—
brachten sind nicht bestätigt worden. Eine Folge war, daß die Wiener
Studenten Virchow ein Huldigungstelegramm sandten. Was man
aber Hyrtl verübelte, war, daß er, der, wie Bergmann in einem