fullscreen: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Ausgabe 1931 (Public Domain)

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Italien zeigt den dekorativen Zug des romanischen Städte 
baus am stärksten in Formen, die nichts mehr mit der stillen 
Größe und edlen Einfachheit der Vorbilder gemein haben. Man 
hat das deutliche Gefühl, daß Italien in seiner Gründerzeit 
steht. Das große Modell der historischen Stadtgebiete Roms 
zeigte die Freilegung der Kaiserfora und des Marcellustheaters 
sowie die geplanten neuen Straßenzüge, 
Der Generalbebauungsplan Roms ist sehr großzügig. Der 
jetzige Kopfbahnhof soll mittels eines unterirdischen Durch 
bruchs nach Norden in einen Durchgangsbahnhof verwandelt 
werden. Neue Straßendurchbrüche sind dazu bestimmt, die 
antike Stadt und die Stadt des 18. Jahrhunderts zu entlasten, 
und weite Freiflächen sollen die historischen Parks ergänzen und 
Gelegenheit zur Anlage der notwendigen Spielplätze geben. 
Die Bauordnung sieht eingehende Regelung vor zum Schutz 
des Stadtbildes. Für viele Privatgärten werden erhebliche Bau 
beschränkungen eingeführt, um sie als künftige Parks zu er 
halten, wobei vorübergehende Benutzung als Gemüsegärten und 
dergleichen gestattet wird. Für ausgedehnte Gebiete wird Bau 
erlaubnis nur durch besondere ministerielle Genehmigung erteilt. 
Enteignungsmöglichkeiten sind nicht nur im Interesse des Ver 
kehrs und der Sanierung vorgesehen, sondern auch mit Rücksicht 
auf den Rundblick. Abbruchsverpflichtungen können innerhalb 
einer bestimmtenZeit ausgesprochenwerden. Auffallend und nicht 
der römischen Tradition entsprechend ist die Bevorzugung der 
offenen Bauweise auch in der drei-und viergeschossigenZone. Nach 
den Abbildungen neuer Wohnungsbauten, die unter ähnlichen 
Baubestimmungen errichtet worden sind, kann man den ästhe 
tischen Wert solcher Bestimmungen nicht hoch veranschlagen. 
Mailand, das mit 941 000 Einwohnern neben Neapel mit 
966 000 Einwohnern und Rom mit 867 000 Einwohnern zu den 
größten Städten zählt, ist am stärksten durch den modernen 
Verkehr in seiner Entwicklung beeinflußt. Richtungsbetrieb 
und Rundverkehr auf den Plätzen scheinen sich in den italie 
nischen Städten durchzusetzen. Man trägt hierbei kein Be 
denken, die Straßenbahnen auch bei verhältnismäßig engem 
Radius zum Rundverkehr zu zwingen, was nur aus der 
bekannten Unempfindlichkeit der Italiener gegen Geräusche 
zu erklären ist. Der Platz am neuen Hauptbahnhof, der 
auffallenderweise als Kopfbahnhof gebaut werden soll, er 
scheint für den zu erwartenden Verkehr zu knapp bemessen 
(Abb. 10). 
Die Bauten des Instituts für Volkshäuser zeigten 4—5 ge- 
schossige Randbebauung mit Innenhöfen. Straßenbreiten und 
Hofgrößen erscheinen zum Teil enger bemessen, als trotz der 
glücklicheren Besonnungs Verhältnisse wünschenswert ist. 
In der spanischen Abteilung war der Wettbewerbentwurf 
für die Stadterweiterung von Madrid von Blum, Jansen, 
Liedecke und Zuago ausgestellt, der aber kaum als spanische 
Arbeit betrachtet werden kann. Umfangreiche gemeinnützige 
Arbeiten aus Barcelona und Madrid bekunden den Willen zu 
einer Auflockerung der Baudichtc, die in den früheren Ge 
pflogenheiten des Landes nicht zu finden war. Spanien sucht 
eine besondere Form der Gartenstadt in der sogenannten Ciudad 
Lineal zu entwickeln, welche charakterisiert ist durch den 
Aufbau entlang den großen Verkehrslinien des Landes. Ab 
schließende Erfahrungen, welche ein Urteil ermöglichen, liegen 
noch nicht vor. 
Abb. 9 (oben). 
Cite Universitaire 
in Paris. 
Abb. 10. 
Zugangstraßen und 
-platze zum neuen 
Bahnhof in Mailand.
	        
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