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Achtes Kapitel. Begegnungen

Full text: Die Intellektuellen / Meisel-Hess, Grete (Public Domain)

Sie‘ blickte schweigend auf die Ziffern. ‚,Das ist 
schwer begreiflich‘, sagte sie dann. „Die Mutter gilt 
doch als die beste Pflegerin des Kindes; sie soll es doch 
auch nähren.‘ 
„Ja — wenn sie ihr Kind nährt und pflegt, ist das frei- 
lich das Beste! Mutter und Kind sollen zusammen blei- 
ben, — natürlich, — das ist das große Gebot; aber — es 
muß außerdem noch einer da sein, der das Futter heran- 
bringt für beide... Freilich“, fügte er dann nach- 
denklich hinzu, „steht es nicht für alle Zeiten fest, daß 
das gerade der Vater tut... Es könnte wohl so kom- 
men, daß die Gesellschaft ihren großen Vorteil darin 
sieht, sich dieses kostbare Material zu retten und der 
Mutter mit dem Kinde direkt beizuspringen ... Aber 
die Mutter allein — die Schwangere, die kürzlich Ent- 
bundene, die Nährende, die oft zu keinem Beruf 
Vorgebildete, — die kann nur in seltenen Fällen für 
alles das aufkommen, was einem Kinde gebührt, da- 
mit es heil in die Höhe wachse.‘“ Und mit sachlich 
ruhiger Stimme fuhr er fort: „Infolge unserer guten 
Waisenpflege ist für die ganz verwaisten Kinder tat- 
sächlich besser gesorgt als für die meisten von denen, 
die eine verlassene Mutter hilflos durchs Leben 
schleppt.“ 
Sie blickte traurig, hob dann langsam den Kopf 
und sah ihn voll an. „Da ist wohl mein armes Lörchen 
auch sehr schlimm dran?“ 
Er stutzte erschrocken, dann schüttelte er hastig den 
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