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Sechstes Kapitel. Finsternis

Full text: Die Intellektuellen / Meisel-Hess, Grete (Public Domain)

war, — die Sektion vorgenommen, und sie haben ge- 
funden,‘“ — seine Stimme formte die Worte mit 
spitzer Eindringlichkeit, — „sie haben gefunden — 
daß — daß überhaupt kein Karzinom und auch kein 
Tumor da war — - 
In erstarrendem Schweigen saßen beide. 
„Wie ist das zu verstehen?“ sagte sie endlich. 
„Das ist nicht anders zu verstehen, als daß Gustav, 
der doch ein tüchtiger Arzt war, der als hervorragender 
Diagnostiker sich wiederholt bewährt hat, — sich in 
seinem eigenen Fall so tief verirrt hat, daß man 
nicht mehr weiß, ob man diesen Irrtum nicht als fixe 
Idee bezeichnen soll.‘ 
„Kein Karzinom, — kein Tumor, — überhaupt 
keine Geschwulst —*“ flüsterte Olga, — „was sonst ?‘“ 
„Nichts — nichts . . . ein etwas blutarmes Gehirn, — 
eine nicht bedeutende Degeneration des Nerven- 
systems, konstitutioneller Art, — wie mir gesagt wurde; 
es hat sich um ein Druckgefühl im Kopf bei ihm ge- 
handelt, um Schwindelzustände; und nicht eine Ge- 
schwulst war die Ursache, — sondern Nervosität, — 
Erschöpfung, hervorgerufen durch Überarbeitung. 
Es soll das richtige ‚Ringgefühl‘ gewesen sein, an dem 
er litt, das manche Neurastheniker auch um den Leib 
herum spüren; andere wieder im Kopf; zu denen ge- 
hörte er; . .. vier Wochen völliger Rast und guter Er- 
holung, und die Symptome, die er — verkannte, — 
wären fort gewesen.‘
	        
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