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Viertes Kapitel. Menschen

Full text: Die Intellektuellen / Meisel-Hess, Grete (Public Domain)

von den Siebzig nicht mehr weit sein; die zarte, fast 
mädchenhafte Gestalt war in ein schwarzes Samtkleid 
gehüllt, das in antikem Schnitt an ihr herabfloß; weiße, 
beinahe jugendliche Arme sahen aus den weiten Ärmeln 
hervor, nur an den Händen sah man das Alter wieder. 
Die großgeschnittenen Züge waren von dem erfüllten 
Blick leuchtender, blauer Augen durchstrahlt; silbrig- 
weißes Haar fiel, in langen Locken, frei auf die Schul- 
tern herab. Diese Frau, die Vorsitzende des Bundes, war 
die Gattin eines verstorbenen Forschers, Dr. Wallen- 
tin, Weltreisenden und Entdeckers unbekannter Erd- 
striche, gewesen. Sie war die Mutter dreier Söhne, 
von denen nur einer in Berlin war und zeitweilig mit 
seiner Frau, einer schwedischen Dichterin, im Bunde 
erschien. Die beiden anderen Söhne, — der älteste, 
der als Soziologe einen bedeutenden Ruf hatte und der 
jüngste — befanden sich, wie man hörte, auf einer 
Weltreise, deren Zweck nicht bekannt war. Die Gattin 
des ältesten Sohnes, Frau Lucinda Wallentin, lebte in 
Berlin, stand aber den Bestrebungen ihrer Schwieger- 
mutter und ihres Gatten so fern, wie nur irgend denk- 
bar; sie führte ein Haus, in dem lediglich formal- 
ästhetische, sowie okkulte und mystische Interessen 
gepflegt wurden. Die Wallentins galten als reich, und 
Mutter und Söhne verwendeten, so hieß es, ihre Mittel 
vor allem für ihre großen, sozialpolitischen Pläne. 
Ihre aktive Teilnahme an der Versammlung brachte 
Olga in Beziehung zu all diesen verschiedenen 
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