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Zweites Kapitel. Zwei Frauen

Full text: Die Intellektuellen / Meisel-Hess, Grete (Public Domain)

spältigkeit zeigte. Aber die Lehre war noch nicht 
deutlich genug: sie sollte noch mehr erfahren. 
Seit Vincenz wußte, daß sie guter Hoffnung war, 
sprach er nur noch von seinem „Sohn“‘‘. In Gesellschaft, 
im Geschäft, überall erzählte er mit familienväterlichem 
Schmunzeln, daß „a Bua‘ auf dem Weg sei. Sie fand diese 
vorzeitige Verkündigung ihres Zustandes wenig ge- 
schmackvoll, — die sichere Erwartung des „Bua’m“ 
aber stellte sich beinah als eine Art fixer Idee dar. 
Auch lag kein besonderer Grund vor, warum ein Sohn 
für Vincenz Reisenleitner so dringend erwünscht sein 
sollte; war doch kein noch so bescheidenes Thrönchen, 
dessen Erbfolge durch das salische Gesetz für Frauen 
gesperrt gewesen wäre, — noch auch ein Majorat zu 
vergeben; das Geschäft sei auch eine Art von Majorat, 
erklärte Vincenz. Da er aber die Grundlage dieses er- 
erbten Besitzes durchaus nicht befestigte, eher durch 
seine Passionen unterwühlte, erschien diese Sorge um 
den Erben wenig natürlich. 
Vincenz aber tummelte sich, nach wie vor, in der 
Idee, daß ihm ein „strammer Stammhalter‘ geboren 
werden sollte, Er hatte sich in diese feudale Pose förm- 
lich verrannt. Mit derselben zähen Hartnäckigkeit, 
mit der er sich bei einem Automobilrennen oder bei 
einer Golfpartie ganz in die Situation versenkte, nichts 
sah und hörte, als was mit dem Match zusammenhing, 
mit diesem unzugänglichen Furor des Sports- 
mannes, gemischt mit der Sucht, den „Träger eines 
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