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Achtundzwanzigstes Kapitel

Full text: Die Verführten / Hyan, Hans (Public Domain)

hielt, die Haube mit Seidenbändern auf dem 
ergrauten Haar und dabei geschminkt und gepu⸗ 
dert, zeigte dieses Weib nur allzu deutlich die 
ehemalige Dirne, die sich jetzt damit beschäftigte, 
ihre früheren Kolleginnen auszupowern. 
Und bei so einer wohnte die arme Ellal? ... 
Kurt von Solfershausen konnte sich noch immer 
nicht dazu verstehen, in der ehemals so heiß Ge⸗ 
liebten ein Objekt der Unzucht, der Schande zu 
sehen, das um Geld für jeden feil war. 
„Fräulein Hellwig hat Besuch!“ sagte das 
Weib mit widerwärtigem Lächeln. 
Aber als Kurt, aufs peinlichste überrascht, mur⸗ 
melte, 
„Dann komme ich noch einmal wieder,“ setzte 
sie mit einer verletzenden Lustigkeit hinzu, 
Nee, nee, 's is bloß 'ne Dame ... 'ne Frau 
ich glaube, ihre Mutter ...“ 
Kurt überlegte: Ellas Familie kennen zu ler⸗ 
nen, hatte er nie Verlangen getragen; dazu konn⸗ 
te ihm das wenige, was er von Ella über den 
Vater und Georg gehört hatte, keine Stim⸗ 
mung machen... Aber jetzt ... jetzt waren 
diese Leute in Not, in der bittersten Not, die 
Eltern nur treffen kann! Das Gesetz hatte eines 
von ihren Kindern, den ältesten Sohn, aus 
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