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Das Stift und die Ephoren

Volltext: Das Königliche Domkandidatenstift 1854 - 1904 / Conrad, Paul (Public Domain)

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die praktischen Forderungen standen ihm im Vordergrund. Neben 
der Bewahrung des Bewährten baute Kögel auf dem gelegten 
Grunde weiter. Das Vorgefundene wurde ausgestaltet, auch im 
Geiste Hoffmanns. Der Umkreis der Disziplinen wuchs. Kirchen⸗ 
rechtliche Ubungen zur praktischen Einführung in die Kirchen-, 
Gemeinde⸗ und Synodal⸗Ordnung wurden 1800 eingerichtet. Seit 
1890 gab der Stiftsorganist alle I4 Tage Gesangunterricht, um 
die Brüder in den Stand zu setzen, bei Begräbnissen und ähn— 
lichen Gelegenheiten einen Choral anzustimmen. Gegenüber dem 
Versuch, das Reise-Stipendium auch anderen Kandidaten zuzu— 
wenden, betonte Kögel das ausschließliche Recht der Domkandi— 
daten auf diese Stiftung und sorgte dafür, daß dies Stipendium, 
das früher meist nur wenigen Auserwählten zugute kam, nun 
unter alle Randidaten verteilt wurde, weil er Wert darauf 
legte, daß jeder einmal andere Verhältnisse sah als die in der 
Heimat, seinen Horizont weitete und sein Herz füllte; auch ein 
eminent praktisches Interesse. Aber neben dieser kraftvollen Be— 
tonung der praktischen Aufgaben kam doch auch die wissenschaft⸗ 
liche Seite nicht zu kurz. Welche Fülle des verschiedenartigsten 
Stoffes wurde von ihm in den Stiftskonferenzen eingehend be— 
sprochen und gründlich verarbeitet. In bunter Abwechslung 
wurden homiletische, pastoraltheologische, katechetisch⸗ pädagogische, 
ethische, dogmatische, kirchengeschichtliche, exegetische, liturgische 
Themata behandelt; daneben wurden die wichtigsten neuen Er— 
scheinungen aus der theologischen Literatur in den Kreis der 
Erörterung gezogen. Aber die Hauptsache blieb die Kritik der 
Predigten, blieb die Einführung in die Probleme und in die 
Praxis der Seelsorge. 
RKögels Predigt-Rezensionen sollen im Anfang überscharf 
gewesen sein. Später waren sie es jedenfalls nicht mehr. 
Eine homiletische Schule wollte er nicht bilden. Dazu hatte er 
zuviel Achtung vor dem Recht und der Macht der Persönlichkeit. 
Er wollte keine Uniformität auf Kosten der Eigenart; denn „ein 
anderes sei die Kunst, ein anderes die Künstelei.“ Noch in den 
letzten Wochen seines Lebens freute er sich an einer Predigb,
	        
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