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die praktischen Forderungen standen ihm im Vordergrund. Neben
der Bewahrung des Bewährten baute Kögel auf dem gelegten
Grunde weiter. Das Vorgefundene wurde ausgestaltet, auch im
Geiste Hoffmanns. Der Umkreis der Disziplinen wuchs. Kirchen⸗
rechtliche Ubungen zur praktischen Einführung in die Kirchen-,
Gemeinde⸗ und Synodal⸗Ordnung wurden 1800 eingerichtet. Seit
1890 gab der Stiftsorganist alle I4 Tage Gesangunterricht, um
die Brüder in den Stand zu setzen, bei Begräbnissen und ähn—
lichen Gelegenheiten einen Choral anzustimmen. Gegenüber dem
Versuch, das Reise-Stipendium auch anderen Kandidaten zuzu—
wenden, betonte Kögel das ausschließliche Recht der Domkandi—
daten auf diese Stiftung und sorgte dafür, daß dies Stipendium,
das früher meist nur wenigen Auserwählten zugute kam, nun
unter alle Randidaten verteilt wurde, weil er Wert darauf
legte, daß jeder einmal andere Verhältnisse sah als die in der
Heimat, seinen Horizont weitete und sein Herz füllte; auch ein
eminent praktisches Interesse. Aber neben dieser kraftvollen Be—
tonung der praktischen Aufgaben kam doch auch die wissenschaft⸗
liche Seite nicht zu kurz. Welche Fülle des verschiedenartigsten
Stoffes wurde von ihm in den Stiftskonferenzen eingehend be—
sprochen und gründlich verarbeitet. In bunter Abwechslung
wurden homiletische, pastoraltheologische, katechetisch⸗ pädagogische,
ethische, dogmatische, kirchengeschichtliche, exegetische, liturgische
Themata behandelt; daneben wurden die wichtigsten neuen Er—
scheinungen aus der theologischen Literatur in den Kreis der
Erörterung gezogen. Aber die Hauptsache blieb die Kritik der
Predigten, blieb die Einführung in die Probleme und in die
Praxis der Seelsorge.
RKögels Predigt-Rezensionen sollen im Anfang überscharf
gewesen sein. Später waren sie es jedenfalls nicht mehr.
Eine homiletische Schule wollte er nicht bilden. Dazu hatte er
zuviel Achtung vor dem Recht und der Macht der Persönlichkeit.
Er wollte keine Uniformität auf Kosten der Eigenart; denn „ein
anderes sei die Kunst, ein anderes die Künstelei.“ Noch in den
letzten Wochen seines Lebens freute er sich an einer Predigb,