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Full text: Walter Leistikow / Cassirer, Paul (Public Domain)

Mohrs schönes. malerisches Heimatland, und vor allem zu Meister 
Willumsen, jenem sonderbaren Dekorateur in der Malerei Dänemarks. 
Es ist wohl zu bemerken, dass von allen Verehrern Liebermanns dieser 
überzeugteste und ehrlichste nicht nach Frankreich oder Holland dem 
Meister nachgezogenist: Leistikow wardereinzige, der dasnichtgetanhat. 
Er wurzelt als Maler in der Mark oder im engeren oder weiteren Heimat- 
lande seiner Frau (die gewissen Studienfahrten in die schwedischen 
Schären und ins norwegische Hochland subsummiere ich unter Gross- 
Skandinavien). In der Mark zog ihn die dürftige, fast traurige Schönheit, 
in Dänemark die geschlossene Lieblichkeit an. Hier offenbare, dort 
verhaltene Reize, Zuerst nun kommen die Jahre, da Leistikow nur 
malte, um in die Natur vor- und einzudringen, die Natur malte um deı 
Natur willen. Wälder, Felder, Auen, Seen, Dünenländer, Sandstrecken, 
Flussläufe, Becken stillen Wassers — in allen Jahreszeiten. Er geniesst 
unbefangen die schöne Stunde der Natur, mit verhaltener Leidenschaft, 
in künstlerischem Befriedigtsein. Es ist ein stilles Abwandeln der 
Natur — ein einziges Sommeridyll des Malers, Die Farbe muntert sich 
leis auf; in seinen Berliner Schultagen war sie Farbe der Palette ge- 
wesen, kalt und lackig; zunächst aber beginnt er nur langsam und 
zögernd die Farben zu entdecken, die die Natur hat. Weisse Dünen- 
bilder, sonnige Wiesen — alles in monoton nebliger Auflösung. Die 
französische Lichtbotschaft und die schottische Farbenpoesie schlagen 
nun kräftiger in die deutsche Kunst ein. Und jetzt hebt auch Leistikow 
eine verhältnismässig schimmernde und lebensvolle Farbe aus der 
Landschaft, — die Farben der absteigend-hellen, schattigen, dämmernden, 
dunkelnden Welt, den malerischen Gehalt des reflektierten Lichts. Er 
malt die kühlen Waldeinsamkeiten im Halbschlummer — in rosigen und 
gelben dünnen Schwaden zittert der letzte Schein des Abends um die 
starr ragenden Stämme; verschwiegene Seen mit auf- und niederhuschen- 
den Lichtern; im Winterschnee, der das Licht glitzernd zurückhält, 
oder im Sommerdunste; Felder, über die Wolkenzüge tiefe wohlige 
Schatten werfen. 
Jetzt aber kommt die Zeit, da jenes Stück Literat, das in ihm 
steckte, wesentlich in seine Malerei hineinspielt. Er malt Volkslieder, 
Elegien, Dithyramben, Märchenstücke. Diese Epoche war noch der 
Einsichtigen Meinung nicht die glücklichste. Es war die Epoche, in der 
es hiess: die Natur an sich genügt nicht. Einwirkungen leisteten:
	        
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