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Full text : Festschrift zum fünfundsiebzigjährigen Fabrik- und Geschäfts-Jubiläum der Firma Gebr. Heyl & Co. (Public Domain)

Im Anfang mußte auch die werdende Industrie — wie ihre Mutter, das Handwerk — sich auf die
mechanische Herstellung der Farben, auf das Schlemmen, Pulverisieren, Reiben und Mischen farbiger Erden
beschränken. Erst die nach der Entdeckung Amerikas beginnende Einfuhr wertvoller Farbhölzer — des
Blauholzes, Rotholzes, Quercitrons, Orleans u. a. — und diejenige des Indigos aus Indien um die Mitte des
16. Jahrhunderts brachte ihr einen regeren Aufschwung. Den Höhepunkt der Entwickelung konnte sie jedoch
erst erreichen, als in neuerer Zeit die chemische Wissenschaft auf dem Wege der exakten Forschung das zu
ergründen begann, was dem Alchimisten früherer Tage,
„der in Gesellschaft von Adepten
sich in die schwarze Küche schloß
und nach unendlichen Rezepten
das Widrige zusammengoß“
der Zufall, das planlose Probieren offenbart hatte. Ein Zufall hatte im Jahre 1704 dem Berliner Diesbach
das Ferrocyanblau, genannt Berliner Blau, entdeckt. Diesbach kam dadurch auf das Berliner Blau, daß er
zur Herstellung von Cochenille-Lack ein Kali verwendete, welches Dippel zur Reinigung des nach ihm
benannten Tieröls benutzt hatte. — Die Darstellung wurde jedoch damals geheim gehalten, bis sie 1724
von Woodward veröffentlicht wurde. Doch blieb die Farbe ein undefinierbarer Körper. Erst nachdem
Scheele 1782 die Blausäure dargestellt und Gay-Lussac 1815 das Cyan entdeckt hatte, gelang es der Chemie,
die chemische Zusammensetzung der Farbe zu ergründen und ihre Darstellung im Großen zu ermöglichen.
In rascher Folge gelangen immer neue Entdeckungen. In das erste Viertel des vorigen Jahrhunderts fällt
die Herstellung des künstlichen Ultramarins, durch welches die blaue Farbe des Lasursteins — des Saphirs
der Alten — ersetzt wurde; ihm schlossen sich bald andere, ähnlich zusammengesetzte Nüancen in Rot,
Violett und Grün an. Aus etwas späterer Zeit datiert die wissenschaftliche Durchforschung des Steinkohlenteers.
Aus diesem bislang wertlosen Produkt lehrte die rastlose Tätigkeit unserer größten Chemiker die Unzahl der
sogenannten Anilinfarbstoffe gewinnen, welche wiederum das Ausgangsmaterial bildeten für die Fabrikation
der Farblacke in ihren fast endlosen Nüancen und Variationen, die in der Buntpapier- und Tapeten-Industrie,
in der Buch- und Steindruckerei, im Zeugdruck, dem Mal- und Anstrichgewerbe und ımmannigfachen anderen
Industrien ihre ausgedehnte Anwendung finden.
            
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