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Full text : Festschrift zum fünfundsiebzigjährigen Fabrik- und Geschäfts-Jubiläum der Firma Gebr. Heyl & Co. (Public Domain)

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ie heutige Farbenindustrie kann ihre Geschichte bis zu den Anfängen der Menschheit-Geschichte
zurückführen. Aus der Kenntnis der in der Natur vorkommenden Farbstoffe, welche auch die
unkultivierten Völker noch heute zu .roher Bemalung des Körpers und der Waffen verwenden,
entwickelte sich bei den ältesten Völkern im Dienste des praktischen Lebens die Zeug- und Buntfärberei,
Die Inder, ‚Perser, Chinesen, Phönizier, Syrer bemalten ihre Heiligtümer und schmückten sie mit bunten
Stoffen, ihre Priester und Edien kleideten sich in gefärbte Zeuge. Die Ägypter verwandten die Farbe
in ihrer Bilderschrift, als Flächenverzierung und Signatur. Bei den Griechen stand die Farbentechnik schon
nicht mehr ausschließlich im Dienste der Praxis, sondern auch der Malerei, als einer hochentwickelten Kunstform.
 Ihre Künstler malten mit Temperafarben auf Holz und bemalten al fresco Bauten und Bildwerke.
Die Schüler der Griechen in den Künsten, die Römer, betrieben vornehmlich die Wandmalerei, deren
Kenntnis uns die erhaltenen Altertümer und Gräber, die Ausgrabungen in Pompeji übermittelt haben. Diese
Kunstform stand unter Augustus als Prospektenmalerei in höchster Blüte. Im Mittelalter blühte die Farbentechnik
 besonders in Italien; weiterhin wurden die Maler der alten Schulen zu Trägern ihrer Entwickelung.
Die alten „Meister“ verdienen diesen Titel nicht nur durch ihre künstlerischen Schöpfungen, sondern auch
durch ihre Beherrschung des rein Handwerklichen, des Metiers. Daß ihre Kunst der Nachwelt nicht verloren
 ging, ist ihrer Meisterschaft im Handwerk zu danken. Museen und Galerien zeigen ihre Werke in
alter Frische und unzerstörter Pracht. Die Güte ihrer Farben ist dem zersetzenden Einflusse der Atmosphäre
nicht erlegen, Zeiten und Geschlechter haben sie überdauert.
Von dem Maler der neueren Zeit aber singt und sagt Meister Busch:
„Doch größer'n Ruhm wird der verdienen,
Der Farben kauft und malt mit ihnen.‘
Wohl bieten die Hörsäle der Akademien, die Klassen und Kurse für Farbenreiben auch dem heutigen
Maler reichlich Gelegenheit, die Kenntnis der Farbenherstellung und damit der Farbenbehandlung zu erwerben.
Für die Alten war es ein Zwang. Denn erst der Neuzeit blieb es vorbehalten, aus dem Handwerk eine
Großindustrie zu entwickeln, welche dem Maler die Farben gebrauchsfertig und in handlicher Form liefert.
            
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