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1. Vortag. Einleitung

Full text: Die Königliche Bibliothek zu Berlin / Hortzschansky, Adalbert (Public Domain)

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Öffnungszeit sofort auf drei Tage zu je zwei Stunden herab 
und konnte dann seiner vorgesetzten Behörde bald berichten, 
daß dem vormaligen übermäßigen Zulaufe bestmöglich ge- 
steuert worden sel, 
Auch die .Katalogisierungsarbeiten entsprachen vielfach 
den Anforderungen der heutigen Zeit nur wenig, was freilich 
nicht zu verwundern ist, da die Bibliothekare an vielen An- 
stalten nur eine geringe Remuneration erhielten, die an der 
Berliner Königlichen Bibliothek unter dem ersten Friedrich 
Wilhelm längere Zeit gar keine. So hat denn auch keine der 
großen Staatsbibliotheken das ganze achtzehnte Jahrhundert 
hindurch an Liberalität gegen die Benutzer, Vortrefflichkeit 
der fast von Anfang an auf dauernden Gebrauch eingerichteten 
Kataloge und Sorgfalt in der Auswahl der aufzunehmenden 
Literatur den hohen Stand erreicht, durch den die Bibliothek 
der 1736/37 gegründeten Universität Göttingen die berühmteste 
und besuchteste des Jahrhunderts gewesen ist. 
Trotz dieser schweren Mißstände war das achtzehnte 
Jahrhundert und die ihm folgenden Jahre aber doch für die 
größten der heutigen Bibliotheken recht eigentlich eine Zeit 
der Konsolidierung, des intensivsten Sammelns. 
Hatten die Säkularisationen des Reformationszeitalters 
aus den aufgehobenen Klöstern und Stiftern eine Fülle wert- 
voller halbvergessener Bücher an den Tag gefördert und zu 
einem erheblichen Teile den neuen großen Bipliotheken zu- 
geführt, so war dafür das achtzehnte Jahrhundert die Zeit der 
Privatbibliotheken. Es enstanden in dieser Zeit besonders 
zahlreiche Privatbibliotheken großen Wertes und Umfangs, die 
zuletzt, sei es aus den Händen der Erben der Sammler oder 
durch Schenkung oder Verkauf bei Lebzeiten der Besitzer, 
doch auch wieder den großen öffentlichen Bibliotheken zufielen. 
An der Wende des Jahrhunderts aber erneuerten sich 
die Vorgänge der Reformationszeit und diesmal mit Ein-
	        
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