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Full text: Gustav Thölde zum Gedächtnis / Manasse, Waldeck (Public Domain)

Ihre Dankbarkeit zu beweisen. Betrauern Sie die Gattin, die Mutter 
und die Großmutter dadurch, daß Sie ihr getreu bleiben, daß Sie 
den Ueberzeugungen, welche ihr heiliger Ernst und Lebensstütze waren, 
auch selber in allen Lagen Ihres Lebens nachstreben und nachleben. 
Bleiben sie ihr und sich selber treu! 
Die Greisin mit dem Jugendherzen und dem Feuergeist soll nun 
in der reinen Flamme verzehrt werden. Da trifft jenes Wort zu, 
welches im sonnigen Süden am Eingang eines Krematoriums steht: 
„Den Würmern bist Du entronnen, von reinem Feuer verzehrt, gehst 
Du in die Wahrheit ein; aber Dein Geist bleibt erhalten.“ 
Ja, Dein Geist und Dein Gedächtnis! 
Wie einmal bei der Geburt eines Kindes ein indischer Weiser 
sagte: „Kind, jetzt, wo du weinend ins Leben trittst, stehen wir um 
Dich herum und freuen uns; wandle so, daß Du dermaleinst lächelnd 
von hier gehst, während wir um Dich weinen!“ — So ist auch sie 
lächelnd dahingegangen. 
Nun lassen Sie uns denn Abschied nehmen in schlichten Worten: 
Dreißig Jahre lang hast Du in diesen Räumen geschaltet und gewaltet 
in Liebe und Arbeit. Wir tragen Dich aus einem reichen, glücklichen 
CLebenswerk heraus in den Frieden der Mutter Natur. Die Waffen 
Deines CLebenskampfes hast Du rein und blank und echt erhalten. 
Wir wollen sie ehren und in Treue benutzen. Wir wollen Dir be— 
wahren Liebe um Liebe, Treue um Treue, bis an das Ende unserer Cage. 
Und nun wollen wir scheiden von diesem freidenkenden, hoch—⸗ 
gesinnten und wahrhaften Menschenkinde mit den Worten ihres 
Lieblingsdichters, denen sie oft und gern gelauscht: 
In ihrem Auge deine Cränen, 
Ihr Lächeln sanft um deinen Mund, 
Und all dein Denken, Träumen, Sehnen, 
Ob's dein, ob's ihr, dir ist's nicht kund. 
Wie wenn zwei Büsche sich verschlingen, 
Aus denen junge Rosen springen, 
Die weiß, die andre rot erglüht, 
Und keiner merkt, aus wessen Zweigen 
Die hellen und die dunklen steigen, 
So ist's, du fühleft nur, es blüht ... 
Es leert umsonst der Tod den Löcher, 
So trinkst du aus der Liebe Becher 
Den süßen Wein: Unsterblichkeit. 
Gefang: 
Ueber allen Gipfeln 
Ist Ruh, 
In allen Wipfeln 
Spurest Du 
Kaum einen Hauch; 
Die Vöglein schweigen im Walde, 
Warte nur, balde 
Ruhest Du auch.
	        
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