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Das Zwischenmeistersystem

Full text: Die Heimarbeit in Berlin (Public Domain)

Unternehmer ganz unbesehen hin, dafür streitet sie aber mit uns tapfer um 1Pf. Stunden— 
ohn für die Arbeiterinnen.“*) 
Dieser letzte Fall soll eigentlich 
die Lohnverhältnisse der Heimarbeiterinnen 
»eleuchten. Er soll ein Beispiel aus der Praxis sein, dem vorausgeschickt wird, daß in der 
Damen- und Kindermäntelkonfektion die Gesamtsumme der an die Zwischenmeister gelangenden 
Lohnbeträge 40 000 000 Mk. ausmacht, daß davon auf die zirka 27 000 eigentlichen Heim— 
arbeiterinnen 20000 000 Mk. entfallen und somit der Jahresverdienst pro Kopf nahezu 
750 Mk. beträgt. — Das stimmt auch nicht. Der Jahresverdienst beträat danach im 
Durchschnitt 700,39 Mk., also 49,61 Mk. weniger. 
Die Denkschrift teilt nun mit, daß in dem vorliegenden Falle an dem Gesamtlohn von 
12500 Mk. 15 Heimarbeiterinnen partizipieren; mithin auf die einzelne ein Jahresverdienst 
don 833 Mk. entfalle. Rechnen wir nun wieder mit 89 Wochen voller Beschäftigung, so 
vürde das einen Wochenverdienst von 21,85 Mk. ergeben. (Die Denkschrift rechnet mit 
52 Wochen à 16 Mk.) Aber diese Arbeitsleistung und Verdienst dürfen wohl mit Recht 
angezweifelt werden. Nehmen wir einmal an, daß es sich hierbei um Sachen handelt, 
für die der Zwischenmeister 2 Mk. und die Heimarbeiterin 1 Mk. pro Stück erhält, dann 
nüßten die Arbeiterinnen in 89 Wochen ja 838 Stück oder pro Woche über 21 Stück 
cesp. pro Werktag 31/2 Stück anfertigen. Halten wir uns nun vor Augen, daß aus der 
Seite 17518 der Denkschrift veröffentlichten Tabelle sich eine tägliche Berufsarbeit von 
310 bis 83/4 Stunden ergibt und fügen wir dem hinzu, daß auf Seite 19 für einen Damen— 
paletot, der laut Katalog der Heimarbeitausstellung mit 1,75 Mk. bezahlt wird, eine 
Arbeitszeit von 6 Stunden berechnet wird, mithin also in diesem Falle eine Arbeitszeit 
bon fast 81/0 Stunden pro Stück erforderlich ist, so kann die Arbeiterin in 516521/0 Arbeits— 
stunden pro Woche nur 141,2—15 Stück aufertigen und dann beträgt der Jahresverdienst 
nicht 833 Mk., sondern nur 565,530—585 Mk. Wenn dessenungeachtet durchweg von 
diesen Heimarbeiterinnen 833 Stücke geliefert resp. 833 Mk. Lohn erhoben wurden, so hatten 
sie dabei zweifellos zu Hause noch Hilfe, und zwar in der Höhe von mindestens 6 bis 
31/2 Stück resp. 6ÿ6,50 Mk. pro Woche. Experimente mit anderen Stücklöhnen und 
demnach der Denkschrift Seite 19 angepaßten Arbeitszeiten vro Stück müssen genau zu 
demselben Ergebnis führen. 
Damit fallen alle Versuche, die Lage der Heimarbeiterinnen als günstig resp. zu— 
friedenstellend darzustellen — was ja eigentlich der Hauptzweck der Denkschrift ist, wenn 
auch jede Schönfärberei bestritten wird — in sich zusammen und wir könnten dieses Kapitel 
schließen; aber wir würden damit Gefahr laufen, der Halbheit geziehen zu werden, und 
deshalb müssen wir der Denkschrift weiter folgen. 
Die Denkschrift will noch weiter den Nachweis führen, daß der Durchschnittsverdienst 
der Heimarbeiterinnen 16 Mk. pro Woche mal 52 im Jahr beträgt und „greift einige 
Nachweise“ heraus, hat also, scheint's, einen aanzen Sack voll „Nachweise“. — Nachweis1 
sieht nun so aus: 
Auszug aus den Lohnbüchern eines 4 Zwischenmeister beschäftigenden Mäntelkonfektionärs: 
Lohnveriode: Janunuar 1905. 
Zwischenmeister A lieferte an die Firma: 1960 Kinder-Mäntel 
1150 Kinder-Reefers 
3388 Kinder⸗Mäntel 
2350 Kinder-Reefers 
Die Firma zahlte 
an den Meister 
pro also 
Mantel insgesamt 
Mf— 
Mf 
1,50 2977 
2,25 28586 
1,70 *8*18 818 
Ih 386 
Die Heimarbeiterin 
empfing verdiente 
oom Meister danach 
loro Mantel pro Woche 
Mk. 
O B0-0,90 
1,25 
0,83-1,10 
—X 
14- 18 
15-16 
15- 18 
18—219 
x) Seite 18 heißt es bei Besprechung der Heimarbeitausstellung: „S. 66. Nr. 89 (Katalog) Kostümjacke 
geringster Sorte. Die Arbeitszeit iist mit 5 Stunden zu hoch angegeben, die Auslagen betragen nur 10 Pf. Der 
Stundenperdienst stellt sich auf mindestens 22 Pf.“ — Im Katalog sind 21 Pi. angegeben 
x* Das stimmt nicht. es macht 14 17460 Me
	        
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