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Centralblatt der Bauverwaltung.
Herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten,
Nr. 63. Berlin, 11. Augnst 1900. XX. Jahrgang.
Ertotoint Mittwoch u. Sonnabend. — SohrifUettung: W. Wüholmstr. 89.— und Afuiahms tfai* AnzOiBOn: W. WUhelmutr. 90. — Bezufltprei«: Vierteljährlich S Mark.
EmBchUernUch Abträgen, Post- oder Streifb&ndasusendung 8,75 Mark; desgl. für das Ausland 4,SO Mark.
INHALT? AmtHtJfiftt; Dienst-Nachrichten. — Wohtamtllahat: Diö A-usstellungsbauteu der Pariser Weltausstellung. (Schlüte.) — lieber die Einwirkung von Drähtbrüchen
auf Signal- und Weichenstellwerke, — Die moderne Kunst in der Architektur und deren Einflufs auf die Schule. —■ Vermischtes: Ergebnisse der Prüfungen
für den preufsischen Staatsdienst im Bnufache. — Feodor Unauth zum Präsidenten im Finanzministerium in Hessen-Darmstarlt ernannt, — Besuch der
Technischen Huchschule ln Karlsruhe.
Preufsen.
Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht, dem der
Kaiserlichen Botschaft in London zugctheilten Regierungs-Baumeister
Hermann Muthesius und dem Kreisbauinspector Bauratli Jungfer
in Hirschberg den Rothen Adler-Orden IV. Klasse, sowie dem 'In
genieur und Generaldirector der Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft
Emil Moritz Rathenau in Berlin den Charakter als Geheimer Bau
rath zu verleihen.
Bayern.
Dem Generaldirector der Königlichen bayerischen Staatseisen
bahnen Gustav Ritter v. Ebermayer in München ist das Grofskreuz
des Kaiserlichen österreichischen Franz Josef-Ordens verliehen avorden.
Sachsen.
Die Regierungs-Bauführer Julius Alfred Thiele und Ferdinand
Friedrich Hermann Wägler sind zu Regierungs-Baumeistern bei der
Verwaltung der Staatseisenbahnen in Dresden ernannt worden.
Baden,
Seine Königliche Hoheit der Grofsherzog haben Gnädigst geruht,
dem Regierungs-Baumeister Rudolf Fuchs die Stelle eines wissen
schaftlich gebildeten Jlülfsarbeiters bei der Fabrikinspection unter
Verleihung des Titels Fabrikinspector zu übertragen.
Die UebertTagung der zum l.October d. J. zur Erledigung kom
menden Postbaurathstelle in Karlsruhe an den Postbaurath Zimmer-
mann in Dortmund hat die landesherrliche Bestätigung erhalten.
Versetzt sind: die Regierungs-Baumeister Heinrich Abele in
Rastatt nach Durlach und Hermann Drach bei der Culturinspeetion
Freiburg zur Rkeinbnuinspeetion Mannheim mit dem dienstlichen
Wohnsitz in Eberbach.
Schwarzburg-Soudershausen,
Seine Durchlaucht der Fürst haben Gnädigst geruht, den Fürst
lichen Baumeister Richard Dietz in Sondershausen zum Bauinspector
und den Fürstlichen Bauconductcur Most in Sondershausen zum
Baumeister zu ernennen.
Amtliche Mittheilungm
[Alle Rechte Vorbehalten.]
Nichtamtlicher Theil.
Schriftleiter: Otto Sarrazin und Friedrich ttchultze*
Die Ausstelluiigsbauten der Pariser Weltausstellung,
(Schlufs aus Kr, 61.)
Als Glanzpunkt der Anlage auf dem Marsfelde und vielleicht der
ganzen Ausstellung war ein grofses Wasserwerk vor dem Elektrici-
tätspalast gedacht. In der That lenkt die ganze Anordnung des
Marsleidbaues auf dieses Mittelstück hin, für das die Flügelbauten,
wenigstens in ihrem weiter zurückliegenden Theile gewissermafsen
nur den Rahmen abgeben. Man verband mit dem Gedanken einen
praktischen Gesichtspunkt, indem man die ungeheuren Wassermassen,
die man zur Speisung der Dampfmaschinen ohnedies brauchte, zu
nächst zu dieser Wasserkunst verwenden wollte. So bildet denn
den Absehlufs der Marsfeldarchitektur jene gewaltige Nische, die
sich hinter einer treppenförmigen Wasserbeckenfoige von 100 m
Länge aufbaut und aus der des Abends die elektrisch gefärbten
Wassermassen herabstürzen. Das oberste Becken (vgl. Abb. 7) be
findet sich innerhalb der Nischenwölbung in einer Höhe von 2i)in.
Aus ihm fällt das Wasser in ein zweites Becken lim tief herab und
verbreitet sich dann über die verschiedenen Stufen hinweg nach dem
unteren Hauptbecken hin. Jn dem letzteren sowie auch in den
nächsthöher liegenden Becken sind Reihen von Springbrunnen an
gebracht, die das heitere Spiel nach unten fortsetzen. Des Abends
erstrahlt alles in herrlichstem Lichterglanz, wobei noch die Farbe
des Lichtes ständig wechselt Die Beleuchtung der herabstürzenden
Wassermassen geschieht aufs einfachste dadurch, dafs hinter ihnen ver
schiedenfarbige Glühlampen angebracht sind, deren einzelne Farben-
ruihen abwechselnd ein- und ausgeschaltet werden. Die Beleuchtung
der Springbrunnen geschieht von unten derart, dafs der Wasserstrahl
auf einem Glasboden sich erhebt, unter dem eine scharfe Licht
quelle angebracht ist Um eine gleichmäfsig vertheilte Beleuchtung
zu erzielen, wird das .Licht einer elektrischen Bogenlampe durch
einen parabolischen Spiegel von unten her auf diesen Glasboden ge
worfen. Die verschiedenartige Färbung geschieht hier durch farbige
Gläser, welche sich zwischen das Bogenlicht und den Spiegel schieben.
Zur genau gleichzeitigen Auslösung dieser Gläser sowie auch zum
Zsvecke der Ein- und Ausschaltung der hinter den Wasserfällen
sitzenden, entsprechend gefärbten Lampenreihen ist eine eigene elek
trische Maschine tbätig, die den Farbenwechsel ln bestimmten
Zwischenräumen selbstthätig veranlagt. Das Spiel dieser Farben,
zusammen mit der Illumination sämtlicher Ausstellungsgebäude und
des Eiffelthurmes gewährt des Abends gewifs einen feenhaften An
blick, der seinen Eindruck auf die schaulustige Menge nicht verfehlt.
Man vergifst über ihm auch die architektonische Schwäche dieses
Nischenaufbaues, der weit mehr in das Gebiet des Zuckerbäckers
als des Architekten gehört und über den man ebenfalls nichts
besseres thun kann als schweigen. Es ist betrübend, wie unzweifel
haft glückliche Gedanken, die an der Architektur des Marsfeldpalastes
hier und da auftauchen (solche linden sich namentlich an den Längs
fronten der Seitenflügel, die beiderseitig ganz verschieden ausgebildete,
durch zwei Stockwerke reichende Säulenhallen aufweisen) sogleich
ertüdtet werden durch eine Ueberfülle von hohlster Phrasenrederei,
und wie die Belastung mit einem Ornament der nichtssagendsten
Art das Niveau dieser Architektur auf eine niedrige Stufe auch
da herabdrückt, wo etwas Zurückhaltung und ein klein, wenig
vornehmere Gesinnung eine interessante Architektur geschaffen
haben würde, deren Reiz sich auch derjenige nicht aussehliefsen
würde, der grundsätzlich ein Feind dieser Verhüllung der Con-
stniction ist.
Eine ganze Reihe von Architekten sind an der Architektur der
Ausstellungsbauten auf der Invaliden-Esplanade und auf dem Mars
felde betbeiligt. Auf der Invaliden-Esplanade bauten den „Ebrenhofr
(Abb. 1) Toudoire u. Pradelle, den dahinter sich ansehliefsenden
rechten Flügel Lärche u. Nachon, den linken Eaquie, den
Querblock nach dem Invalidendom hin Tropey-Bailly (Abb. 2).
Auf dem Marsfelde stammt der linke vordere Eckbau (Äbb. 4) von
Varcollier, der rechte (Abb. 3) von Sortaig her, den Mitteltheil
des linken Gebäudeflügels hatBlavctte, den des rechten Hermant
entworfen, die hinteren, am weitesten vortretenden Theile der beiden
Flügel, welche links und rechts das Wasserschlofs einsäumen, sind
von Paulin entworfen, für die Rückwand des Wasserschlosses
(Abb. 7) ist Henard verantwortlich, der Riesenfestsaal in der alten
Maschinenhalle ist ein Werk des Architekten Raul in.
Aufser diesen zwei Hauptgebäudegruppen auf dem Marsfelde
und der Invaliden-Esplanade sind noch eine Reihe anderer, für
Sonderabtheilungen errichtete Ausstellungsgebäude vorhanden, zum
Theil von sehr beträchtlicher Ausdehnung. Zwei derselben be
grenzen am Fufse des Eiffelthurms das linke Seineufer zu beiden
Seiten der Jenaer Brücke. Das stromabwärts gelegene Gebäude
für Forstwesen, Jagd und Fischerei zeichnet sich wenigstens im
Innern durch eine sehr ansprechende Raumgestaltung aus, die zum
Theil dem Umstande verdankt wird, dafs das Gebäude zur Hälfte