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Inhaltsverzeichnis: Das Wesen der Kultur / Frobenius, Leo (Public Domain)

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Antwort Seiner Majestät des Kaisers auf die Stellung— 
nahme einer Dame aus dem Bekanntenkreis Seiner Ma— 
jestät zu dem Vortrag „Das Wesen der Kultur“ 
Doorn, 7. Juni 1931. 
Warmen Dank für Ihre interessante Betrachtung über „Das Wesen 
der Kultur“. Ich möchte mir gestatten, einige Bemerkungen dazu zu ma— 
chen. Sie, verehrteste gnädige Frau, bemerken, dass die „Sivilisation“ ja 
die Kultur sei, und diese sstamme von den Menschen. Ich darf wohl anneh⸗ 
men, daß Sie unter „Sivilisation“ dasselbe verstehen wie die Anglo-Ame⸗ 
rikaner, also die anglo⸗-europäische Sivilisation. 
Dazu ist zu sagen, daß diese englische Kuffassung, daß die „Zivilisa— 
tion“ mit der „Kultur“ gleichbedeutend sei, veraltet ist, sie stammt noch 
aus dem 19. Jahrhundert. Das geht schon daraus hervor, daß der Eng⸗ 
länder einen Rusdruck für „Kultur“ in unserem Sinne überhaupt in sei— 
ner Sprache nicht besitzt, da ihm der deutsche Begriff „Kultur“ fehlt. Wol⸗ 
len englische Schriftsteller in ihren Büchern — im Gegensatz zum 
landesüblichen Wort Sivilisation — den Begriff „Kultur“, wie wir Deut— 
schen ihn verstehen, definieren, dann brauchen sie Uunser Wort „Kultur“, 
und zwar schräg gedruckt (in italics, wie sie das nennen), weil ein eng⸗ 
lisches Wort dafür nicht existiert. Für gewöhnlich arbeitet der Engländer 
mit dem Ausdruck „civilisation“, der für ihn mit Kultur gleichbedeutend 
geworden ist. Das ist aber, wie ich oben erwähnte, ein Irrtum. 
Die europäisch-englische Sivilisationist nicht die Kulturs) 
par excellence. Sie ist ein Husfluss, ein Ausdruck, ein Teil der „west⸗ 
europäischen“ Kultur. Die Kultur eines Volkes als solches setzt sich aus 
einer ganzen Reihe von Elementen zusammen, wie z. B. Staatsform, Re⸗ 
ligion, Kult, Gesetzgebung, Sitten, Literatur, Kunst, Gebräuche usw. und 
ebenso auch seine Zivilisation. 
) Zur Erklärung lege ich eine Neuformulierung von Exrzellenz Frobenius bei, 
die derselbe zum klaren Verständnis von Kultur und Sivilisation sowie für den Gegen— 
satz im Denken zwischen den „Westeuropäern“ (Engländer, Franzosen) und den durch 
die Deutschen vertretenen „Osteuropäern“ aufgesetzt hat, nachdem er einen Entwurf 
meiner Antwort durchgesehen hatte. (siehe Anlage)
	        
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