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Die "Grüne Neune"

Full text: Humoristische Rückblicke auf Berlins "gute alte" Zeit von 1834 bis 1864 / Wauer, Hugo (Public Domain)

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Bis dahin war „Alt-Thalia“ unbestrittene Eigen— 
tümerin dieses schönen Titels. 
In der „Konkordia“ habe ich unter der Regie 
eines „Hof-Augenarztes“, nämlich des Hofhühner— 
augenoperateurs Buddenstedt, oftmals mitgewirkt. Als 
aber, ob 1858 oder 1859, kann ich nicht bestimmt 
sagen, der große Handwerkerverein (jetzt Sophien— 
straße) das Thalia-Theater in der Alexanderstraße 
gekauft hatte, da kaufte „Thalia“ das Theater Blumen⸗ 
straße Nummer 9, welches die Konkordia nur als 
Mieterin besaß, die schnöde Tochter mußte wieder 
„raus“, und — „Dahlja“ zierte ihren Eingang mit 
einer grünen Laterne; vermutlich um ihrer bescheidenen 
Mutter auch den Namen „Grüne Neune“ streitig zu 
machen. 
In dieser „Thalia“ habe ich von 18608 bis 1866 
mit meiner „Theater-Akademie zu Berlin“ als Nach— 
bar des alten Wallner-Theaters 102 Vorstellungen 
gegeben. Als ich aber drei Jahre später die „Dahlja“ 
wieder gemietet hatte, um darin „mit Allerhöchster 
Genehmigung Seiner Majestät des Königs“ in einer 
Reihe von öffentlichen Vorstellungen dem Publikum 
die Leistungen meines Institutes vorzuführen, fünf 
dieser Vorstellungen vor ausverkauftem Hause gegeben, 
die sechste, ebenfalls schon ausverkaufte, auf Dienstag 
angekündigt hatte und am Montag zur Probe kam, 
da ... waren in sämtlichen Räumen des umfang— 
reichen Lokales nur noch die nackten Wände, Decken 
und Dielen vorhanden! 
Die „Dahlja“ hatte nämlich einen großen Hypo— 
thekenprozeß verloren und war gezwungen, das Haus
	        
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