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Kroll

Full text: Humoristische Rückblicke auf Berlins "gute alte" Zeit von 1834 bis 1864 / Wauer, Hugo (Public Domain)

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hoffnungsvoll, und er ergriff nun kühn das Steuer. 
Doch wiederum die alte Leyer: Die Gläub'ger banden 
ihm die Hände! Bald war sein Widerstand zu Ende! 
Sie drängten ihn und seine Frau gerichtlich aus dem 
Riesenbau und steuerten, der Stolz war groß, nun 
triumphirend selbst drauf los! 
Doch schwere Strafe war ihr Lohn: Ver— 
luste schwerster Art und — Hohn! — 's ging 
ihnen wie's so Manchem geht, der Etwas meistern 
will, wovon er nichts versteht. Bald wußt' man 
weder aus noch ein! Konfuses Durcheinanderschrein; 
Versuche wunderlichster Art; Kopflosigkeit mit Zwist 
gepaart! Das Steuer flog bald hin, bald her! 
Das Riesenschiff fuhr kreuz und quer und dann begann's 
rapid zu sinken! Schon meinten Alle zu ertrinken; 
schon lief die Mär von Haus zu Haus: „Jetzt ist's 
mit Kroll für immer aus“, — als flugs der 
Rettungs-Engel kam, das Steuer wieder übernahm 
und so geschickt und kühn lavirte, daß er vollständig 
triumphirte. 
Herr Engel hatte ries'ges Glück gehabt: Im 
tiefsten Mißgeschick fand er das Wunderding, den 
Graal! Nämlich das nöt'ge Kapital, um all' die 
Vampyr-Wucher-Schulden sofort zu tilgen! Alles 
Dulden war nun vorbei! Mit Energie macht' Kehr— 
aus er und, ein Genie voll Umsicht, Tätigkeit und 
Kraft, hat rastlos er seitdem geschafft, und Was wir 
heut' bewundernd sehn, wenn wir im Kroll'schen 
Garten stehn und all' des Zaubers uns erfreun, das 
danken wir fast ihm allein! — Die Säle zwar schuf 
Vater Kroll, doch grade diese sind das Moll, das
	        
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