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Zum Brande des Opernhauses

Full text: Humoristische Rückblicke auf Berlins "gute alte" Zeit von 1834 bis 1864 / Wauer, Hugo (Public Domain)

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vollständig übersehen konnten. Weiter vorzudringen 
verhinderte, nachhaltiger als alle Polizei, die furcht⸗ 
bar glühende, sengende Hitze. 
Ewig unvergeßlich — es sind ja mehr als sechzig 
Jahre verflossen — wird es mir vor Augen stehen, 
wie an den dunklen Außenwänden des Opernhauses, 
die durch das im Innern brennende Feuer in Schatten 
gestellt wurden, das geschmolzene Kupfer der Bedachung 
wie grünlich goldene Riesenschlangen niederfloß, die 
Bildsäulen vom Giebel stürzten und dann in zwei— 
maligen Zwischenpausen das Dach nach innen ein—⸗ 
stürzte, jedes Mal eine von unserem Standpunkte aus 
absolut unabsehbare Feuersäule gen Himmel flammte 
und dann ein Funkenregen die ganze Gegend über— 
flutete. 
Mein ältester Bruder hatte sich durchgeschlagen 
und Instrumente und Musikalien retten helfen können; — 
aber seine Kleider und seine Haare waren versengt 
und Gesicht und Hände gedörrt und von aufgesprungenen, 
blutenden Rissen durchzogen. 
Die Fassade der katholischen Kirche sah noch 
jahrelang nachher aus, als wenn in ihr das Feuer 
gewütet hätte. — Alle Scheiben in der ganzen Runde 
waren gesprungen, darunter namentlich, und zwar in 
tausend Splitter, Berlins erste große Spiegelscheibe, 
oben das Eckfenster im Palais des Prinzen von Preußen.
	        
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