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Anno 48

Full text: Humoristische Rückblicke auf Berlins "gute alte" Zeit von 1834 bis 1864 / Wauer, Hugo (Public Domain)

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zum Appellplatz, wurde vom Hauptmann und der 
Mannschaft freudig begrüßt, erhielt den Auftrag, mit 
meinem Zuge jede Katzenmusik und sonstigen Unfug 
zu unterdrücken, und marschirte an der Spitze von 
mehr als sechszig Bajonetten stolz die Leipzigerstraße 
entlang — sehr stolz, denn erst einige Wochen später 
wurde ich zwanzig Jahre alt. 
An der Markgrafen- und Krausen-Straßen Ecke 
war Katzenmusik und Zanken, Johlen und Pfeifen. 
Ich forderte wiederholt zum Auseinandergehen auf. 
Vergeblich. Während ich mit den Nächststehenden in 
Güte parlamentirte, tanzte und ulkte ein etwa sechs⸗ 
zehnjähriger Bengel höhnend dicht vor mir herum, 
machte zum Gaudium der ehrenwerten Versammlung 
lange Nasen, streckte die Zunge heraus, drehte sich um 
und streckte uns herausfordernd den dunkelsten Teil 
seiner Schattenseite entgegen. Da zog ich ihm mit 
der flachen Klinge so kräftig eins über seine Offerte, 
daß er einen riesigen Luftsprung machte und ein 
wahres Indianergeheul losließ. 
Da darob das „Volk“ zu murren begann, ließ 
ich Gewehr rechts zur Attacke nehmen und nach etwa 
viertelstündiger Kolbenstoßverteilung, hauptfächlich 
aber weil es zehn Uhr war und die Häuser 
geschlossen wurden, war das „Volk“ so vernünftig, 
nach Hause zu gehen. 
Als ich dann aber die Häupter meiner Lieben 
überblickte, da bemerkte ich mit uferloser Entrüstung 
ein Manko von mehr als 30 Bajonetten! Sie waren 
verduftet! Teils, weil sie keinen Hausschlüssel bei sich 
hatten, teils, weil sie sich durch mein „herausforderndes
	        
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