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"Von's Vorsteetsche Theater"

Full text: Humoristische Rückblicke auf Berlins "gute alte" Zeit von 1834 bis 1864 / Wauer, Hugo (Public Domain)

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Gummischuhe“ (so genannt, weil er stets die schleichenden 
Bösewichter spielte) die größten Erfolge in Stücken wie 
„Jak Sheppard“ oder „Die Ritter des Nebels“ erzielte. 
Schütze war Regisseur und zugleich stellvertretende Direk— 
torin; er hatte die Vorschußkasse, eine Pappschachtel, 
aus der die großen Achtgroschenstücke einzeln in die 
Hände der Mimen wanderten. Mehr gab's nicht. Als 
einmal ein junger Heldendarsteller, dessen Name heute 
allgemein bekannt ist, einen harten Taler a Konto 
verlangte, sagte Schütze ganz entrüstet: „Wollen Sie 
uns Pleite machen? Wir sind doch hier keen Hoftheater!“ 
Von Mutter Gräbert stammt auch das schöne 
Wort: „Keener hat mir mein Haus so voll jemacht 
wie Hendrichs“ (der mit Erfolg bei ihr gastirt hatte). 
Als „Macbeth“ gegeben wurde und die Lady, die 
kleine, schwankende Lampe in der Hand, stumm die 
Treppe hinabwandelte, ließ sich eine laute, wohlwollende 
Stimme von der Galerie vernehmen: „Macbetten, et 
drippt“. Die schöne Szene war zerstört. 
Am Weinbergsweg lag auch das alte National-⸗ 
Theater, in dem die ersten Studentenvorstellungen statt— 
fanden und später Wildenbruch glänzend aus der Taufe 
gehoben wurde. Es war eine Gaststätte für alle Bühnen⸗ 
größen, und ich sah dort Barnay und Possart zuerst. 
„Ick würde rinjehn, aber et zieht mir zu sehr“, sagte 
Mutter Gräbert von diesem Riesenmusensiall; „übrigens 
sind ooch die Räuber bei mir ville echter“. 
Acht Tage später enthielt der Lokal-Anzeiger von 
mir folgende Ergänzung: 
„Mutter Gräberts vieljähriger Regisseur wurde 
nicht wegen seiner „schleichenden Bösewichter“ „Schütze 
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