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Moabit wird Weltstadt

Full text: Humoristische Rückblicke auf Berlins "gute alte" Zeit von 1834 bis 1864 / Wauer, Hugo (Public Domain)

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nun seit vielen Jahren zugeschütteten „Charitgraben“ 
und stand fast genau da, wo jetzt das Lessingtheater 
steht. Hatte man die Brücke, gleichviel ob die Moabiter— 
oder Unterbaum-, hinter sich, dann versank man nach 
wenigen Schritten bis an die Knöchel im „märkischen 
Schnee“. — Ja, ja damals, als am Ende unseres 
Grundstücks noch der „Dotschlag“ stand, ein halb— 
verfallenes Häuschen mit Schankwirtschaft, deren In⸗ 
haber nebst Frau, drei Kindern und einem Dienst⸗ 
mädchen im Jahre 1830 von zwei Vagabonden, 
Kremkow und Domstrich, die dafür gerädert wurden, 
ermordet worden waren und dessen fünf überarmselige 
Räume dann ebensovielen Familien Unterschlupf boten, 
deren „liebliche“ Kinderschaar, etwa ein Dutzend 
im Alter von 0—ã12 und 183 Jahren, wenn 
wir im Sommer nach dem Plötzensee baden gingen, 
uns paradiesische Bilder vorzauberten, denn im absolut 
paradiesischen Kostüm lagen sie oder balgten sich im 
unergründlich tiefen „märkischen Schnee“, allen Segen 
der jetzt so kostspieligen Sonnen- und Luftbäder gratis 
genießend. — Ja, ja, damals, als der achtzigjährige 
Fischereipächter vom Plötzensee uns allwöchentlich 
ein Gericht von fünf oder sechs mächtigen Hechten für 
„acht Jute“ (1 Mark) lieferte und als er einen sechs 
Fuß langen Wels, den größten, den er je gesehen, ge— 
fangen hatte, froh war, als mein Vater ihm dafür — 
einen Taler gab! — Ja, ja, damals, als der jetzt so präch— 
tige „Kleine Tiergarten“ noch „Plantage“ hieß und ein 
wüstes, allezeit dick mit Stullenpapier bedecktes wald⸗ 
artiges Terrain war, auf dem sonntags mindestens 
zehntausend, in den Pfingstfeiertagen aber über zwanzig⸗
	        
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